#74 Hendrik Hansen: „Man darf nicht den Blick für das große Ganze verlieren.“
Shownotes
In dieser Folge des RHI-Podcasts spricht Tina Maier-Schneider mit dem Politikwissenschaftler Hendrik Hansen über Demokratie, politische Philosophie, Extremismus und über die persönlichen Erfahrungen, die seinen wissenschaftlichen Blick geprägt haben. Statt um Forschungsergebnisse im engeren Sinne geht es um den Menschen dahinter: um Neugier, politische Prägung, intellektuelle Suchbewegungen und die Frage, wie man sich sensiblen Themen nähert, ohne vorschnell zu urteilen.
Hansen erzählt von seinem Weg über Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaft und Philosophie und davon, warum ihm die Ökonomie zunächst als Schlüssel zum Verständnis der Gesellschaft erschien. Erst nach und nach verschiebt sich sein Interesse hin zur politischen Theorie und Ideengeschichte: dorthin, wo Grundfragen nach Ordnung, Freiheit, Wettbewerb, Gemeinschaft und Verantwortung verhandelt werden. Prägend sind dabei akademische Lehrer, aber auch die Erfahrung, unterschiedliche theoretische Positionen auszuprobieren und sich nicht zu früh festzulegen.
Im Zentrum steht immer wieder die Frage, wie Gespräch gelingen kann. Mit anderen, aber auch mit sich selbst. Gerade beim Thema Extremismus plädiert Hansen dafür, nicht nur abzugrenzen, sondern zunächst zu verstehen: Welche Schwachpunkte liberaler Ordnungen machen extremistische Deutungen anschlussfähig? Welche Fragen bleiben unbeantwortet? Und wie kann man über politische Gegensätze sprechen, ohne sofort in Belehrung oder Abwehr zu verfallen?
So entsteht ein persönliches und zugleich hochaktuelles Gespräch über Haltung, Bildung und die Kraft des Dialogs. Über Weltoffenheit, Selbstprüfung und die Überzeugung, dass demokratische Gesellschaften mehr Gespräch brauchen, nicht weniger.
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🎧 Der Interviewpodcast aus dem Roman Herzog Institut mit wechselnden Gästen. Im persönlichen Gespräch unterhalten sich Köpfe der Wissenschaft mit Host Tina Maier-Schneider über ihr Leben und ihre Arbeit. Hier lernen Sie Wissenschaftler:innen kennen, die etwas bewegen. Auf unserem YouTube-Kanal finden Sie das Schwesterformat RHI-Kontexte, in dem Dr. Martin Lang mit führenden Wissenschaftler:innen aus verschiedensten Disziplinen intensiv ihre Forschungen und Gedanken diskutiert. 🔥 Abonnieren Sie den YouTube-Kanal des Roman Herzog Instituts direkt hier: https://bit.ly/AboRomanHerzogInstitut
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➡️ Das Roman Herzog Institut ist ein zukunftsorientierter Think Tank, der sich aus interdisziplinärer Perspektive mit den Kernthemen Werte, Führung und Zukunftsaussichten auseinandersetzt. Unser Institut überwindet die Barrieren zwischen verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen und erarbeitet fächerübergreifende Langfristperspektiven für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Durch die Vernetzung von Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen entstehen fruchtbare Diskussionen und innovative Lösungen für die aktuellen Herausforderungen Deutschlands. Ein Schwerpunkt unserer Formate liegt auf der Zukunft der Arbeit, wobei wir die Auswirkungen von Vernetzung, Industrie 4.0 und Künstlicher Intelligenz auf unser Arbeitsverständnis und deren gesellschaftspolitische Konsequenzen beleuchten. Unser Ziel ist es, Impulse für die zukünftige Entwicklung Deutschlands zu setzen und den Dialog mit Entscheidungsträger:innen, Unternehmen und Verbänden zu fördern. Wir sind mehr als nur ein Ort für Studien und Positionen; wir sind ein lebendiger Raum für Dialog und Diskussion, sei es durch wissenschaftliche Symposien oder kontroverse Streitgespräche.
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00:00:00: Der Podcast des Roman-Herzog-Instituts.
00:00:04: Doch Deutschland muss ein Ruck gehen.
00:00:06: Tina
00:00:06: Meyer Schneider spricht mit Menschen, für die diese Aufforderung eine Aufgabe ist.
00:00:13: Ich habe dann glaube ich schon dort auch gelernt also dass man sich auf eine andere Kultur einlassen muss, sich mit dieser Kultur befasst und das man nicht zu schnell einer anderen Kultur aus der eigenen Perspektive zu sehr beurteilt.
00:00:29: Aber der andere Punkt ist eben, dass man sich nicht verbiegt sondern das was man tut aus Überzeugung macht und etwas findet in seinem Leben wofür man brennt.
00:00:43: Es gibt eine starke Wechselwirkung zwischen dem Dialog mit dem anderen und dem Dialogue mit sich selbst.
00:00:48: Dass man immer überlegt stimmt das so?
00:00:51: Und dass man versucht weiterzukommen.
00:00:55: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Podcasts aus dem Romanherzog-Institut.
00:01:01: Mein Name ist Tina Meyer Schneider, heute spreche ich mit einem der Wissenschaftler, der sich mit den großen Fragen unserer Zeit beschäftigt – Demokratie, Ideologien und politischer Extremismus!
00:01:13: Und ganz besonders, ich habe heute nochmal das Studio gekarpert.
00:01:16: Eigentlich ist hier Martin Lang aber der hat natürlich auch eine Folge mit meinem Gast und später seinem Professor Henrik Hansen aufgenommen.
00:01:25: Sein Weg führte Henrik Hansen von Berlin über Paris bis nach Budapest und heute an die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung.
00:01:33: doch im RHI-Podcast spreche jetzt nicht über die Theorien und die Forschung über das was er wissenschaftlich herausgefunden hat.
00:01:41: dass übernimmt wie gesagt in diesem Setting wieder mein Kollege Martin Lang, sondern ich spreche mit ihm über ihn als Menschen.
00:01:48: Über den Menschen dahinter prägende Erfahrungen, Entscheidungen und die Frage wie Henrik Hansen sich einem so sensiblen Thema wie Extremismus persönlich nähert?
00:01:57: Jetzt freue mich, drehe mich um.
00:01:59: herzlich willkommen hier im Studio Henrik Hansen!
00:02:02: Ja, ich freue mich bei Ihnen zu sein.
00:02:03: herzlichen Dank für die Einladung von Herr Schneider.
00:02:05: Herr Hansen Sie haben drei Fächer studiert.
00:02:09: nehmen sie mich kurz mit was ich studiert habe.
00:02:12: Ja, ich habe zunächst Volkswirtschaftslehre studiert
00:02:16: und
00:02:16: nebenbei dann Politikwissenschaft und Philosophie studiert.
00:02:20: Und ich bin dann später aber erst nach meiner Promotion tatsächlich in die Politikwissenschaft gewechselt.
00:02:26: Das ist spannend!
00:02:27: Haben Sie die Fächer damals alle interessiert?
00:02:29: oder machst ein bisschen mit einem zwinkernen Auge?
00:02:32: War es Neugier in den drei Fächen oder auch ein bisschen die Suche nach Orientierung?
00:02:37: was zieht mich genau?
00:02:39: Eigentlich alles beides.
00:02:40: Ja, also die Volkswirtschaftslehre hat mich angezogen.
00:02:44: Ich war jung ich war links und ich war überzeugt davon dass die Ökonomie die eigentliche Grundlage ist um zu verstehen wie Gesellschaft funktioniert.
00:02:52: Na das mein Statement damit es noch keiner hier in den Podcast reingekommen.
00:02:56: Perfekt!
00:02:57: Also dann ging's wirklich eine Herzensangelegenheit.
00:03:01: Es
00:03:01: war überzeugend dass sich in der ökonomien das grundlagenwissen finde Um zu verstehen was die gesellschaft im innersten zusammen hält.
00:03:09: Und kurz gesagt habe ich damit der Zeit verstanden, dass die Ökonomie ist eben nicht ist!
00:03:14: Die Ökonomy ist wichtig das will ich gar nicht infrage stellen, aber sie ist nicht die Grundlage von allem.
00:03:20: Die Grundlage liegt woanders und das ist der Grund weshalb mich dann in die Politikwissenschaften und insbesondere in die politische Philosophie-politische Theorie und Ideengeschichte gewechselt
00:03:29: bin.".
00:03:29: Und hat sich das, was Sie vermutet haben zu Ihrer Studentenzeit oder Studierendenzeit schon erfüllt?
00:03:35: Haben sie dort an der Universität gemerkt.
00:03:38: Ja es ist politische Philosophie und Politikwissenschaft.
00:03:41: Da kriege ich Antworten auf die Fragen, die ich mir ans Leben, an die Gesellschaft stelle.
00:03:47: Ja, sukzessive.
00:03:48: Ich habe verschiedene, wenn man so will, Theorien ausprobiert oder Ideologien auch ausprobieren.
00:03:55: Ich hab mal die eine Position vertreten und dann habe ich aber sukzessiv mich doch an die Philosophie angenehrt.
00:04:02: Das war natürlich wie das oft so ist im akademischen Bereich.
00:04:06: Auch die Begegnung mit einem akademischem Lehrer.
00:04:08: Und auf diese Weise bin politischen Philosophie gewechselt.
00:04:14: Sie waren neugierig, etwas was ja mal heute vielleicht manchmal ich habe ja mit einigen Professoren schon diesen Podcast gesprochen und manche sagen heute ist das Studium nicht immer mehr so von Neugier geprägt wie es aufgesetzt ist an der Universität.
00:04:30: Zu ihrer Studienzeit war es aber noch anders.
00:04:32: Man konnte ein bisschen mehr wahrscheinlich reinschnuppern, rumschnuppern.
00:04:36: Sie haben gesagt sie haben jetzt auch einen besonderen Lehrer vielleicht kennengelernt Ein Mentor
00:04:41: der
00:04:41: auch wieder ihnen eine Perspektive eröffnet hat.
00:04:46: Also ich war einfach politisch interessiert und das war schon seit der Jugendzeit, dass ich mich für Politik interessiert habe.
00:04:55: Das war dann Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger für ökologische Fragen interessiert.
00:05:00: also so das erste große Thema was mich bewegt hatte war die Kernenergie.
00:05:04: Und da war ich klar gegen Kernenergi nicht?
00:05:08: Wie gesagt, ich war damals deutlich jünger.
00:05:12: Keine Entschuldigung!
00:05:13: Das wäre jetzt doch toll, darüber so zu sprechen.
00:05:16: Ja und dann die Frinsbewegung auch.
00:05:20: Ich war in Berlin groß geworden, West-Berlin.
00:05:23: da waren dann die großen Demonstrationen beispielsweise im Juni zweiundachtzig.
00:05:27: Die Ronald Regen war zur Besuch in der Stadt und dabei bei der friedlichen Demonstation dabei am nächsten Tag gab es eine mit viel Ausschreitungen also am Tag an dem Regen selber in Berlin war aber am Vortag gab's eine ganz große Demonstraktion Ronald Reagan.
00:05:45: Das waren die Themen, die mich bewegt haben und da ging ich davon aus dass wenn man den Dingen auf den Grund gehen will das man sich mit der Ökonomie befassen muss also insofern es war neugier und eine gewisse politische Überzeugung verbunden war.
00:06:01: Ist das was, was Sie schon aus Ihrem Elternhaus?
00:06:03: Aus Ihrer Familie mitgenommen haben sich schlau zu machen für was in Gesellschaft passiert welche Fragen einen umtreiben und ein bisschen so sein Herz an etwas zu hängen auch im Leben
00:06:14: ja gewiss.
00:06:15: also ich habe Zuhause mitbekommen durch meine durch meine Eltern Also einmal das Interesse an politischen fragen und dann auch dass man im leben schon das tun soll wovon man überzeugt ist, dass man nicht einfach sich verbiegt und irgendwie nur so drauf schaut was einem ein Nutzen bringt sondern auch Überzeugungen wichtig sind im Leben.
00:06:39: Aber das ist schon auch ein großes Vertrauen.
00:06:42: was Eltern ihren Kindern gegenüber bringen finde ich jetzt einfach zu sagen mach das was dir gefällt worauf du Lust hast dann wirst du schon deinen Weg.
00:06:53: Ich habe die Haltung mitbekommen, dass man sich orientieren soll an dem, wovon man überzeugt ist.
00:07:00: Die Dinge, die ich machen wollte, haben meine Eltern nicht immer überzeugt.
00:07:03: Hätten
00:07:04: Sie doch mal lieber Jurist oder Mediziner werden wollen.
00:07:07: Nein, mein Vater war mit der Volkswirtschaft lehre sein Verstanden dass ich mich dann für die philosophie und politische Philosophie interessiert habe.
00:07:13: das fand er dann nicht ganz so gut.
00:07:15: aber aber das er hat mir trotzdem mitgegeben oder meine Eltern haben es mir auch ein Stück weit vorgelebt.
00:07:21: dass ist wichtig ist sich für Dinge zu interessieren ja
00:07:25: und Haben sie dann Zuhause mit ihren Eltern auch diskutiert wenn es um politische Fragestellen gab.
00:07:32: Ja, sehr heftige Diskussionen.
00:07:34: Es wurde viel diskutiert bei uns und das war sicherlich auch eine prägen Erfahrung.
00:07:39: Ich glaube es ist auch ganz wichtig dass man mit seinen Kindern zusammen diskutiert, dass man zu Hause die also auch auseinandersetzung hat jetzt im konstruktiven, den positiven Center.
00:07:49: Das haben wir heute auch drei Kinder.
00:07:51: da haben wir natürlich Ich kenne das, ich
00:07:54: habe auch drei.
00:07:55: Da ist aber toll, dass manchmal ein Abbild von Gesellschaft am Küchentisch mit unterschiedlichen Meinungen und so was, weil es eben ganz spannend ist.
00:08:05: Und da übt man ja auch vieles ein, was wir heute vielleicht bemängeln.
00:08:08: Vielleicht geht's Ihnen da auch mal ein Argument auszuhalten, auch meine andere Blickweise in den Blick zu nehmen.
00:08:18: Letztens bin ich in der U-Bahn gefahren, da war ein junger Mann ein Sweatshirt und hinten drauf war ein Sofa mit Pizzakistunterstand drauf, dass no plan is also a Plan.
00:08:31: Also das mal auch zu akzeptieren und auszuhalten vielleicht so eine jugendliche Haltung daran.
00:08:37: Ja sehr richtig!
00:08:38: Das ist sicherlich ein Teil dessen...also da lernt man als Vater dann oder Mutter aber ich glaube es für die Kinder auch wichtig ist diese Diskussion zu Hause führt.
00:08:49: Ich
00:08:49: finde auch, da kann man wachsen also da kann viel lernen was mal sonst für unsere Gesellschaft manchmal vermisst aber wir können vielleicht später noch einmal dahin kommen.
00:08:58: ich würde gerne nochmal in ihre Jugend ihre Schulzeit in Berlin denn sie haben eine ganz besondere Schule ja auch besucht in Berlin nämlich die französische schule.
00:09:06: wie ist das denn dazu gekommen?
00:09:09: Ja dann muss ich ehrlich sagen Ich war doch zehn, als das entschieden wurde.
00:09:13: Und mir war die Schule einfach zu weit weg und ich bin meinen Eltern sehr dankbar dass sie gesagt haben da spielt keine Rolle du gehst dahin und meine Eltern waren sehr francophil und die Schule hat mir einfach sehr viel gebracht.
00:09:26: also zum einen war es eine eine sehr gute Schule aber zum anderen diese Offenheit für eine andere Kultur damit groß zu werden, also wir hatten dann ab der fünften sechste sehr intensiven französische Unterricht.
00:09:37: Ab der siebten Klasse waren dann alle Unterrichtsfälcher bis auf Deutsch war noch Französisch.
00:09:42: Abibac, die französische Abitur haben Sie auch dann wahrscheinlich?
00:09:45: Beides.
00:09:45: Also das
00:09:47: Baccalaurier und das Abituur richtig!
00:09:49: Und man lernt einfach ein anderes Land kennen und ich glaube es hat mir sehr viel gebracht um dann später mich mit anderen Ländern zu befassen.
00:09:56: ja also Ich habe in USA insgesamt vier Semester unterrichtet.
00:10:00: Ich hab in Ungarn viele Jahre im Budapest sieben Jahre insgesamt als Pendler zwar nicht aber trotzdem das war eine längere Zeit die ich einen Budapests verbracht habe Und ich habe dann, glaube ich schon dort auch gelernt.
00:10:13: also dass man sich auf eine andere Kultur einlassen muss.
00:10:16: Sich mit dieser Kultur befasst und das man nicht zu schnell eine andere Kultur aus der eigenen Perspektive zu sehr beurteilt.
00:10:25: Und in Paris waren sie auch?
00:10:27: Zum Studium richtig!
00:10:28: Ich hab das vierte Studienjahr in Paris zerbrochen... Da
00:10:30: beneidet Sie wahrscheinlich jeder drum oder?
00:10:32: Das war ein großartiges Jahr.
00:10:34: Das war toll.
00:10:35: Also voll von intellektuellen Entdeckungen.
00:10:40: Also nur so ein Beispiel.
00:10:42: Ich bin in West-Berlin groß geworden und in dieser Zeit, in den Achtzigerjahren Entspannungspolitik man hat immer... Man hat über die DDR praktisch nicht geredet.
00:10:53: Dann komme ich an die Uni.
00:10:55: Und habe Volkswirtschaftslehre studiert.
00:10:57: Es gab dort kein Unterrichtsfach Keine Lehrveranstaltung, in der man sich mit der Ökonomie sozialistischer Staaten auseinandergesetzt hat.
00:11:06: Das müssen Sie mal vorstellen!
00:11:07: Ich war an der TU Berlin also ein paar hundert Meter von einer Mauer entfernt.
00:11:12: und dass es jenseits der Mauer etwas gibt, das spielte dort keine Rolle.
00:11:18: Dann kam ich nach Paris Und dann war dort eine Professorin Marie Lavigne, hieß sie.
00:11:23: Eine anerkannte Expertin für die Gesellschaften und Ökonomien aus Europa, also der Warschauer Parkstaaten Und dort plötzlich haben wir uns befasst, damit sozialistischen Staaten.
00:11:33: Und dann war das noch das Jahr, siebenundachtzig, achtenachtzig war ich in Paris?
00:11:37: Ja!
00:11:37: Da kamen dann Aghan Begian der Wirtschaftsberater von Gorbatschow.
00:11:41: Der kam nach Paris und unsere Professorin durfte Aghan Beginn den großen Reformer der Sowjetunion begrüßen im Rahmen eines Empfangs.
00:11:50: Wir waren also, wir waren elektrisiert davon.
00:11:53: Und Sie
00:11:53: sind mit eingeladen worden?
00:11:54: Nein,
00:11:55: nein, nein überhaupt nicht.
00:11:56: Okay.
00:11:57: Nein, nur wir haben das mitbekommen...
00:11:59: Aber
00:12:00: die Atmosphäre Das hat uns alle elektrisiert als Studenten, was passiert da?
00:12:05: Und wir hatten eben dann auch Dozenten die sich damit dafür interessiert haben.
00:12:09: Die sich damit befasst haben.
00:12:11: und irgendwie habe ich mich schon gewundert als ich dann zurückkam wieder nach West-Berlin wie das eigentlich sein kann dass wir dort Volkswirtschaftslehre studieren unmittelbar gewissermaßen neben der Mauer.
00:12:22: Niemand befasst sich wissenschaftlich zumindest mit dem, was da eigentlich vorgeht in den sozialistischen Staaten.
00:12:28: Ich glaube das war natürlich mitten ein Problem, was wir dann hatten in der Wiedervereinigung.
00:12:33: Wir hatten sehr wenige Experten die wirklich Ahnung hatten von der DDR.
00:12:36: Da wäre es vielleicht gut gewesen wenn wir ein paar mehr gehabt hätten.
00:12:39: Eine kleine Spitzebemerkung am Rande!
00:12:42: Noch mal zurück nach Frankreich und diese Zeit, weil auch das finde ich ist nochmal ein Punkt den Sie vielleicht, weil sie dort waren einfach noch einmal sehr gut vermitteln können.
00:12:50: Überhaupt über die Tradition des Lehrens dort und auch das andere Studieren wahrscheinlich dort, weil solche Begegnungen wie Sie jetzt geschildert haben auch dass Minister teilnehmen mal an Universitäten kommen Vorlesung besuchen oder es auch solche Empfänge gibt nicht immer auf höchster Ebene dass da doch zwischen Administration und Lehrer auch noch mal so eine andere Durchlässigkeit ist.
00:13:16: Das ist ja was, was wir auch nicht so kennen bei
00:13:18: uns.".
00:13:19: Ja, da wäre ich jetzt ein bisschen vorsichtig.
00:13:22: Ich weiß nicht wie es heute ist aber was mir Leute erzählt haben ist dass sich das nicht so viel verändert hat.
00:13:27: Eigentlich ist der Unterricht in Frankreich viel frontaler als bei uns also was Diskussionen mit Studenten anbelangt, dass man irgendwie ein offeneres Format hat.
00:13:38: Also das haben wir in Deutschland viel mehr als in Frankrijk.
00:13:42: Der Unterricht selber war Frontalunterricht und insofern waren es dann die Inhalte, die mich interessiert haben.
00:13:49: Ich habe dort sehr spannende Inhalten.
00:13:50: also es waren vor allen Dingen diese beiden Themen also einmal dieses was ich gerade angesprochen habe Also die Länder aus Europas, also sozialistischen Länder mit denen ich mich bis dahin kaum befasst hatte Und das andere dann die ökonomische Ideengeschichte Die mich immer interessiert hat Dort, wo ich studiert habe an der TU Berlin und auch an der F-Uberlin praktisch kaum vorkam.
00:14:14: Und das... Auch das hab' ich bedauert.
00:14:18: Das war toll von den Inhalten her!
00:14:20: Die Lehrmethode würde ich jetzt nicht so in den Vordergrund stellen wollen.
00:14:25: Das waren beeindruckende Lehrer die aber sehr frontal unterrichtet haben.
00:14:28: Okay, aber so einen Austausch danach nach dem Unterricht?
00:14:32: Haben Sie da was für sich mitnehmen können unter den Studenten Studierenden dort?
00:14:38: Wie war das?
00:14:39: Ich finde es einfach immer so spannend.
00:14:41: Haben Sie mit anderen Franzosen, Französinnen zusammen gewohnt in der WG oder im Wohnheim?
00:14:45: Oder wie war Ihr
00:14:46: Leben dort?
00:14:48: Also ich habe jetzt nicht in der wg gewohnte.
00:14:50: Ich hatte das Glück.
00:14:51: wir hatten von einer Familie aus gute Freunde in Paris und Dort durfte ich dann in einer sehr schönen Villa ins Züränen also mit mobile Ria da wenn man in den oberen Stockwerken der villa war hatte Man einen Blick auf paris als.
00:15:05: es war traumhaft und dort durfte Ich wohne bei denen dort dann Kommilitonen gehabt an der Uni.
00:15:13: Das war eine sehr schöne Zeit.
00:15:15: Wir hatten so eine Gruppe von Leuten, wo wir uns auch auseinandergesetzt haben mit verschiedenen Theorien, also Anthropologie und solche Themen die uns einfach dann bewegt hatten.
00:15:25: Also das war wirklich so auch eine Zeit des intellektuellen Entdeckens.
00:15:29: Wobei da muss man auch dazusehen... Paris hat natürlich eine besondere Atmosphäre.
00:15:35: Lerntelektuell, das hat uns damals, wir fanden es ganz toll!
00:15:40: Ich würde heute sagen gewisses Gehaar.
00:15:42: Ich habe damit verbunden, aber das darf auch sein.
00:15:45: Also ich meine, ich war zwanzig.
00:15:46: Ein
00:15:47: bisschen
00:15:49: ein Kamü-Gerfühl
00:15:51: oder ein Zartriff?
00:15:51: Wie auch immer!
00:15:53: Das fühlt sich ganz toll ja.
00:15:59: Wenn man das beim Augenswinkern dann später sagt... Natürlich!
00:16:01: Wenn man nicht dazugelernt hat ist es problematisch.
00:16:05: Nein, das wollte ich Ihnen keinstermaßen
00:16:08: viel zu führen
00:16:09: an der Stelle.
00:16:12: Sie haben vorhin so herrlich offen beschrieben, dass sie mit der Volkswirtschaftslehre angefangen haben.
00:16:18: Ihnen das dann aber nicht an Fragen existenziell oder essentiell geklärt hat, wonach sie auf der Suche waren?
00:16:26: Was war denn der Moment wo sie für sich im Studium oder intellektuell wie sie es eben gesagt haben im Auslandsstudium oder später in ihrem Dissertations- oder späteren Forschungsprojekten habe?
00:16:39: Der Moment, wo Sie sagen das ist das, wo ich intellektuell so wirklich Mainz gefunden habe und aufgeblüht bin.
00:16:47: Das war der Gedanke, der es mir auf den Weg gegeben hat da weiter zu machen.
00:16:53: Also zunächst einmal... sehr links war, dann habe ich mich viel mit Fragen des Wettbewerbs befasst und der Frage was sind eigentlich die Voraussetzungen dafür dass der Wett-Bewerb als Grundprinzip einer sozialen Marktwirtschaft das da funktioniert.
00:17:11: fand ich es erstaunlich, dass Ökonomen immer keine Antwort geben.
00:17:14: Nicht nur geben konnten sondern auch nicht geben wollten auf die Frage was sind eigentlich Voraussetzungen dafür?
00:17:19: Dass der Wettbewerb funktioniert und zwar jetzt nicht das dann bestimmte Spielregeln eingehalten werden.
00:17:24: Die Antwort finden sie natürlich in der Volkswirtschaftslehre.
00:17:27: aber es ist doch wichtig, dass Leute, dass die Akteure am Markt, dass sie die Grundprinzipien verinnerlichen Prinzip des Wettbewerbes bejahen, und zwar nicht Wett-Bewerb im Sinne eines Kampfes um die Durchsetzung der Stärkeren.
00:17:44: Sondern die Fairness des Wettebewerbs bejahn ja?
00:17:48: Und das ist etwas diese Grundvoll ... Welche politische Kultur braucht es eigentlich als Grundlage dafür damit eine Wettbewärbswirtschaft auch funktionieren kann?
00:17:59: Da kam ich dann immer weiter in den Bereich der Politik.
00:18:03: dann was zeichnet eigentlich eine politische Gemeinschaft aus, in der dieser Wettbewerb dann stattfindet.
00:18:09: Und so kam ich dann für Schritt immer weiter eigentlich von den Fragen des Wett Bewerbes weg.
00:18:14: Das andere war noch dass die Volkswirtschaftslehre mehr und mehr geprägt war von sehr mathematisierten Modellen.
00:18:21: Und gerade die mathematisierten Modelle, die reduzieren den Menschen ja im Grunde auf ein Wesen was nur noch auf Anreize reagiert.
00:18:28: Im Grunde wie so ein Pavlovscher Hund.
00:18:30: Sie halten einem Menschen einen Anreiz hin und dann reagiert er in einer bestimmten Weise.
00:18:33: Oh Gott jetzt bin ich mal gefördert auf die Kommentare der Verhaltensökonomen, die uns zuhören!
00:18:40: Ja?
00:18:40: Nein?!
00:18:41: Aber
00:18:41: sie ist...ja?
00:18:43: Ich wollte nicht
00:18:43: untersprechen.
00:18:44: Nein nein, ich spreche ja über die Wahrnehmung, die ich damals hatte.
00:18:47: also die Verhaltensekonomie hat sich dann sicherlich auch einiges geändert, also die will ich gar nicht kommentieren.
00:18:55: Die war aber damals relativ... Also wir reden ja hier über die Zeit zu Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger dabei, da waren sie relativ in den Kinderschuhen.
00:19:03: Ja.
00:19:04: Also ich spielte in meinem Studium eine relativ geringe Rolle.
00:19:08: Gut!
00:19:10: Politische Philosophie für wen brennt denn da ihr Herz?
00:19:14: Wer ist denn der Theoretiker mit dem Sie sich sehr gerne auseinandersetzen?
00:19:20: Na ja, Sie fragten auch gerade noch nach den Punkten die mich da bewegt haben bei dem Wechsel.
00:19:27: Nein nein das hängt ja zusammen, deshalb erinnere ich nochmal an diese Frage weil... Ich glaube das war, ich glaube das waren siechsohnundachtzig.
00:19:34: Da bin ich in ein Seminar gegangen, kritische Geschichte der Ethik Rodolf Schaarstetter FU Berlin und dann hat er eine These vertreten.
00:19:44: Das Thema hatte mich angesprochen, habe gedacht was erzählt er?
00:19:47: Also hin!
00:19:49: Hat er die These vertreten?
00:19:50: Also, die Ethik hat sie folgendermaßen entwickelt.
00:19:52: Ich sage das jetzt in vereinfachter Form.
00:19:55: Es gab einen Fortschritt der Ethik bis Zokrates und dann danach gab es ein Rückschritt also der Ethic.
00:20:10: Das ist etwas verkürzt wiedergegeben von dem.
00:20:13: Aber ich
00:20:14: spüre schon Ihre
00:20:16: Unruhe
00:20:17: bei der These allein, wie Sie sie sich schon vorbringen.
00:20:19: Moment!
00:20:20: Da wohnte ich noch beim Eltern.
00:20:23: Ich kam zum Mittagessen und war zu Hause und erzählte meiner Mutter dann... Also ich war da bei einem Dozenten.
00:20:31: Der Mann ist entweder ein Spinner oder ein Genie.
00:20:35: Und es hat eine Weile gebraucht.
00:20:37: Ich war in Frankreich, aber ich habe irgendwann verstanden, dass das stimmt.
00:20:42: Also jetzt nicht im Sinne von, dass die Geschichte der Ethik nach Socrates einfach ein Rückschritt ist.
00:20:47: Das hat er auch so nicht gesagt, sondern das es bestimmte Grundpositionen der Ethika gibt, paradigmatische Positionen, die sich in der Geschichte wiederholen.
00:20:57: Man hat unter den Vorsokratikern bestimmte paradigmatischen Positionen ,die dann später in einer ähnlichen Weise wiederholen, aber dann natürlich in einer ganz anderen Art der Komplexität.
00:21:10: Also ich gebe Ihnen ein Beispiel unter den Fosokratikern haben Sie den Sophisten Trasymachos, der hat die Theorie vom rechte Stärkeren vertreten.
00:21:20: und wenn sie sich die Aussagen von dem Trasymychus bei Platon durchlesen, dann merken Sie das ist im Grunde Nietzsche auf den Punkt gebracht.
00:21:32: Natürlich ist Nietzche noch viel mehr Und natürlich können Sie bei Nietzsche auch noch viel mehr entdecken, weil allein bei Nietzu gibt es ja durch seine biografische Entwicklung die verschiedenen Werkphasen und so weiter.
00:21:43: Aber zumindest dieser Kern gerade im Spätwerk von Nietzu, Genealogie der Moral haben sie genau bei diesem Punkt.
00:21:49: Da haben sich diese Wiederholungen dann in der Philosophie-Geschichte.
00:21:53: Das hat mich dann doch ein besonderer Weiße beeindruckt.
00:21:56: Und da geht das um darum, in der Geschichte der Ideen Zusammenhänge zu... verstehen, dass man nach Zusammenhängen sucht und das hat mich dann in besonderer Weise geprägt.
00:22:10: Und so, dass sie dann auch wirklich bei dem Thema weiter erst mal für sich geblieben sind?
00:22:14: Sie sind nach Passau gegangen um zu habilitieren Auch in diesem Bereich.
00:22:20: wollen sie uns nochmal mitnehmen worum es im Habilitationsprojekt ging?
00:22:25: Ja, genau.
00:22:25: Also nach Passau bin ich gegangen weil mich gerne bei Barbara Zinfenig habilitieren wollte.
00:22:31: Die wiederum auch studiert hatte bei Rudolf Schraschstädter in Berlin.
00:22:37: also da sind dann die Bezüge... Mit der
00:22:39: ich übrigens auch schon den schönen Podcast aufgenommen habe.
00:22:41: Ich weiß!
00:22:42: Den hab'
00:22:42: ich mir angeschaut.
00:22:43: Der ist auch wirklich für mich sehr schön ein sehr schönes Gespräch.
00:22:46: Haben wir
00:22:46: auch einen Bogen miteinander?
00:22:48: Genau.
00:22:48: Aber sie auch eine kleine Kulturwechsel erstmal von Berlin nach Passao Aber da reden wir später vielleicht noch mal drüber.
00:22:55: Wie Sie wollen?
00:22:56: Ja, bleiben wir erst einmal dass sie zu Frau Zehnfennig wollten.
00:22:59: Genau ich wollte bei ihr mich habilitieren weil ich einfach von ihrer Herangehensweise an die politische Philosophie so überzeugend fand.
00:23:08: und dann hat sie es mir auch ermöglicht über das Thema zu habilitieren, was mich besonders interessiert hat.
00:23:17: Nämlich das Verhältnis von Politik und Ökonomie in der Ideengeschichte.
00:23:21: Also ich habe das dann aufgezogen als das Verhältnis von Politik und Ökonomie in der Globalisierungsdebatte und in der Identengeschicht.
00:23:29: Und ich habe dann das Verhaltnis von bestimmten paradigmatischen Grundpositionen untersucht in der Habilitation.
00:23:36: Das ist überhaupt eine Rangezweise die mir wichtig ist dass man in der Auseinandersetzung mit Theorien, da muss man einerseits natürlich immer auch in die Details gehen und sich mit einzelnen Verästelungen auseinandersetzen.
00:23:51: Aber man darf nicht den Blick für das große Ganze verlieren.
00:23:54: Und das bedeutet dass wenn man das große ganze in den Blick nehmen will dann muss man auch Theorieren gruppieren zu Paradigmen, die sich dadurch auszeichnen.
00:24:03: Das sind also Gruppen von Theoriern Annamen teilen, also beispielsweise in der internationalen Politik.
00:24:11: Der Realismus ja die Annahme das der Zweck des Staates die Gewährleistung von Sicherheit ist so und dass man sich damit auseinandersetzt mit solchen Paradigmen und die dann in ein Verhältnis zueinander setzt, dass man versteht, dass Ideengeschichte ein Dialog ist.
00:24:29: in der Ideenggeschichte Entwicklung der politischen Philosophie reagieren doch Denker immer aufeinander.
00:24:35: Sie können noch beispielsweise, ich nehme jetzt mal ein anderes Beispiel, wenn sie Marx verstehen wollen, da müssen sie doch sehen dass Marx auf bestimmte Positionen reagiert.
00:24:43: Der hat auch den Hegel reagiert aber er hat auch auf den Adam Smith ganz stark reagiert.
00:24:48: im Übrigen auch Aristoteles, der eine wichtige Rolle spielte für einen jungen Marx.
00:24:52: und das muss man sich anschauen und fragen wovon grenzt er sich ab?
00:24:58: Und was übernimmt Sodass man im Grunde sich Ideengeschichte vorstellt, wie ein Dialog von bedeutenden Denkern.
00:25:04: Dass man paradigmatische Positionen hat die man in einen Dialog miteinander bringt.
00:25:11: Fällt das Ihren Studierenden leicht so was zu machen?
00:25:14: Was Sie jetzt für sich beschrieben haben weil ich glaube das fordern sie bestimmt auch in ihren Seminaren oder?
00:25:22: Wozu ich meine Studentinnen und Studenten animieren möchte ist dass sie sich an mit den Grundannahmen des politischen Denkens befassen.
00:25:34: Das ist natürlich ganz wichtig, wenn ich Unterricht der politischen Extremismus.
00:25:40: Und da bringt es ja nichts, dass man einfach jetzt die x-te Variante des Links oder Rechtsextremismus sich anschaut.
00:25:49: Sondern dann muss man doch ein Gespür entwickeln für diese Grundlagen dieser Positionen – die geistigen Grundlagen.
00:25:55: und da muss man gucken welche Formen gibt's da?
00:25:58: Wie kann man die auch gruppieren, sodass man so die verschiedenen Varianten dieser Theorien in den Blick nimmt?
00:26:03: Dass man die Unterschiede und Gemeinsamkeiten versteht Studenten auch hinzubringen.
00:26:11: Weil
00:26:12: das ja schon was ist, weil wir vorhin damit angefangen haben wie können wir Gesellschaft verstehen?
00:26:17: Wie können große Fragen der gesellschaftlichen Debatte miteinander verhandeln im Dialog in der Auseinandersetzung als Bürger und Wählerinnen?
00:26:29: Und auch dafür ist ja das, was Sie beschrieben haben eigentlich so eine sehr wertige Herangehensweise die wir vielleicht manchmal auch mehr mit unseren Alltag nehmen sollten.
00:26:41: Richtig!
00:26:41: Weil es geht ja dann letztlich auch darum dass man die eigene Position reflektiert, dass man also versucht offen an andere Positionen heranzugehen und zu fragen, wie denkt jemand anderes eigentlich?
00:26:57: Und das muss man eigentlich in allen Varianten machen.
00:27:01: Also nicht nur jetzt bei den Denkern die man irgendwie gut findet dass man sagt also bei Platon oder bei Kant oder so mache ich das sondern dass man es eigentlich bei allen Positionen macht sich darauf einlassen und gerade auch bei den Vordenkern des politischen Extremismus jetzt nicht gleich Angst hat, dass man selber ein Extremist wird wenn man einfach mal versucht zu verstehen wie hat die Person gedacht auch immer ein Schritt näher, denn all diese Denker bringen ja eine bestimmte Ideen rein.
00:27:29: Also die zeigen ein bestimmtes Verständnis von dem man dann auch ein Stück weit was lernen kann.
00:27:38: Auch übrigens von Extremisten, weil Extremisten zeigen einem zumindest Schwachpunkte an den Theorien gegen die sie sich wenden.
00:27:47: also jemand der gegen die liberale gesellschaftliche Ordnung agitiert.
00:27:52: Von dem kann ich ja immerhin was lernen, weil er insofern als dass er Schwachpunkte aufzeigt wo dann nämlich in der liberalen Ordnung nicht hinreichend Antworten drauf gegeben werden
00:28:04: und wo die Anstrengungen eben darin liegen sollte Antworten zu finden verstehe ich sie und nicht es einfach hinzunehmen und so sagen trotzdem ist das das Beste sondern wirklich auch mit einem selbst reflektiven Klick reflektieren den Blick darauf zu schauen.
00:28:19: Was kann da getan werden in diesem Sinne, um vielleicht das eine oder das andere zu bewegen?
00:28:26: Sie sind ja auch im Ungarn gewesen und haben dort gelehrt.
00:28:30: Wie ist es Ihnen dort denn gegangen?
00:28:31: ein ganz anderes Land jetzt als Berlin anders als Frankreich mit Paris natürlich diese tolle intellektuelle Erfahrung.
00:28:38: wie war das in Ungarn?
00:28:40: Ja also Ungarn war erstmal auch eine sehr schöne Erfahrung Weil in Budapest und Budapeste ist einfach eine tolle Stadt.
00:28:50: Also kulturell, ja also das eine Stadt die haben den Eindruck dass dort an jeder Ecke musiziert wird, ja?
00:28:55: Also kulturell ein Hochgenuss und eine beeindruckende Stadt, eine schöne Stadt.
00:29:02: Also das war erstmal eine sehr schöne Zeit.
00:29:05: Ich war dort an der Andraschi-Universität, die residiert dort, muss man gerade so sagen in einem Adelspalais, so um achtzehn, siebzig erbaut direkt hinter dem Nationalmuseum.
00:29:17: also das war toll und es war politisch natürlich hochinteressant.
00:29:21: Ich bin in Zwei-Tausend-Elf nach Budapest gekommen, Viktor Orban hatte die Wahl gewonnen also zum zweiten Mal, zwei-tausendzehn ja der regiert von achtundneunzig bis zwei tausendzwei und dann war er acht Jahre in der Opposition.
00:29:33: Zwei Tausendzen waren erneut an die Macht gekommen und da begann dann der Umbau des ungewöhrlichen Staates nach den Ideen von Orban und der Fides Regierung.
00:29:46: so das war natürlich eine hoch interessante Phase mit zu verfolgen, das beobachten zu können.
00:29:53: Und haben Sie da viele Berührungspunkte gehabt?
00:29:55: Wir haben im Vorgespräch... Ich mach' es jetzt einfach nochmal.
00:29:58: Das fand sie so wunderbar wie Sie mir das erklärt haben auch hier wenn wir uns in anderen Staaten bewegen, in anderen Umgebungen sich dieses Thema der Identitätszustellen und zu vergegenwärtigen.
00:30:18: Und da hatten sie so besondere Momente in Ungarn, das ist was ich vielleicht noch ein bisschen teilen könnte weil Sie das so schön beschrieben haben finde ich.
00:30:26: Ja also mir war damals aufgefallen... Also wie gesagt es war Zwei Tausend Elf und Orban war in seiner Anfangszeit und es gab eine Reihe von Kritiken gerade in deutschen Medien an Fides und an Orban.
00:30:41: die schossen deutlich über das Ziel hinaus, die waren zum Teil einfach grob unfair.
00:30:48: Und das war etwas was ich sehr problematisch fand.
00:30:52: also ein Punkt der mir besonders aufgestoßen ist, dass es wenig Verständnis dafür gab, dass Ungarn ein anderes Verhältnis zu ihrer Nation haben als Deutsche.
00:31:03: Wenn wir deutsche Übernation sprechen dann können wir nicht anders Vergangenheit des Nationalsozialismus zu sprechen.
00:31:10: Ich finde es persönlich sehr wichtig, dass wir die Auseinandersetzung nicht darauf reduzieren.
00:31:17: Die Geschichte der deutschen Nation ist viel mehr als einfach nur der nationalsozialismus.
00:31:22: Trotzdem ist es wichtig das wir den nationalsocialismus immer in den Blick nehmen.
00:31:27: Das ist natürlich ein Schlüsselereignis und jede Phase Wir müssen uns immer dieser Geschichte stellen und uns damit auseinandersetzen So, das ist jetzt aber eine spezifische deutsche Vorgehensweise.
00:31:41: Auch diese kritische Haltung von Nationen.
00:31:44: Ungarn sehen das Ganze anders.
00:31:46: Wenn Ungarn über ihre Nation sprechen dann sprechen sie darüber dass sie erst von den Türken erobert worden sind.
00:31:51: Dann kam die Habsburger, dann kam später im zwanzigsten Jahrhundert die Deutschen und dann kam die Sowjets Und dann kam in deiner Neunzig neunzig endlich eine Phase wo Sie eine Unabhängigkeit haben konnten.
00:32:07: Die haben naturgemäß ein anderes Verhältnis zu ihrer Nation als wir es haben.
00:32:11: Ja, die haben auch gute Gründe sich kritisch mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.
00:32:15: ja weil da gab's die Fallkreuzler und da gab´s auch die die mitgemacht haben bei der kommunistischen Diktatur usw.
00:32:22: Das ist ja auch richtig und das ist auch wichtig und das war unter Orbein gar nicht möglich mehr.
00:32:27: aber trotzdem müssen wir als Deutsche erst einmal uns darauf einlassen wie versteht ein ungarischer konservativer, denn über die Leute reden wir ja wenn wir über Nationalismus reden.
00:32:37: Wie versteht der eigentlich sein Land?
00:32:42: Und dass man das nicht gleich verteufelt?
00:32:45: und das ist aber etwas was glaube ich in allen Ländern wichtig ist wo man auch hinkommt, dass man erst einmal sich darauf einlässt und nicht gleich verurteilt.
00:32:56: Ich fand hier das für falsch und vor allen Dingen habe ich auch in Ungarn gemerkt, also entschuldigung wenn ich jetzt mal persönlich werde.
00:33:03: Aber wenn Marietta Slomka im Heute Journal über Ungarn gesprochen hat dann hat Viktor Orban immer gleich wieder ein Prozentpunkt mehr Stimmen gehabt.
00:33:10: ja weil dieser Mangel an Fairness den sie insbesondere in ihrer Nachrichtenberichterstattung hatte über Ungar Das war schon grob.
00:33:22: Ich gehe trotzdem noch mal auch hier ins Studenten oder ins Leben als Professor dort.
00:33:28: Wie war das mit Ihnen?
00:33:29: Das war jetzt eine ganz andere Situation.
00:33:31: in Paris waren Sie als Student, hier haben sie jetzt unterrichtet.
00:33:36: Wie haben Sie dort die Studenten erlebt, auch dass sie dort als Professor jetzt unterrichtet haben mit ihrem Thema?
00:33:43: War das aufgeschlossen, dass Sie als Deutscher-Professor quasi jetzt dort an der Universität sind.
00:33:49: Naja ich war ja in einer internationalen Universität dort.
00:33:53: Die Andrasche Universität ist eine deutschsprachige Universität, die Trägerländer Ungarn, die Bundesrepublik Bayern, Baden-Württemberg und Österreich.
00:34:04: Vielen Dank!
00:34:05: Dann habe ich das jetzt auch gelernt?
00:34:07: Ja.
00:34:07: Und alle anderen
00:34:08: mit mir?
00:34:10: Das war nur um zu erläutern.
00:34:13: Also unsere Studentenschaft war ja international orientiert.
00:34:15: also der erste Punkt war ja sie mussten ja alle Deutsch können.
00:34:18: wir haben auf Deutsch unterrichtet ja und das heißt die waren also die Deutschen die dort hinkamen.
00:34:24: die wollten dahin dass es anders als an der Semmelweis Universität wo Medizinstudenten dann hingehen weil sie bei uns keinen.
00:34:34: Die kriegen hier keinen Studienplatz oder sind auf einer Warteliste und dann gehen sie an die Semmelweis-Universität, zahlen eine hohe Studiengebühr.
00:34:41: Aber die sind dann dort zunächst einmal... Also die sind da sicher auch interessiert an Ungarn, hoffe ich jedenfalls.
00:34:45: aber das Motiv ist ein anderes.
00:34:48: Die, die zu uns kamen, die kamen ja zu uns weil Sie speziell in Ungarn studieren wollten also aus Deutschland auch aus anderen Schadenwerten, etliche Studenten aus Zentralasien zum Beispiel.
00:34:59: Ich habe selten so viel Kontakt gehabt nach in Länder wie Ostbekistan, Kyrgyzstan und so, wie in dieser Zeit wo ich immer wieder Studenten von diesen Ländern hatte.
00:35:09: Aber die waren alle eben international orientiert und insofern natürlich für diese Herangehensweise sehr offen.
00:35:17: Zum Abschluss würde ich Sie gerne noch fragen.
00:35:20: Sie haben das so schön beschrieben, diese Weltoffenheit ist auch etwas was sie sich für ihre Kinder wahrscheinlich wünschen dass die auch rausgehen und sie haben vorhin gesagt, sie haben Familienkinder, dass die ja auch mal anfangen zu entdecken oder?
00:35:34: Entdecken
00:35:35: die mit ihnen wahrscheinlich auch schon einiges?
00:35:37: Ja, sicher.
00:35:38: Aber vor allen Dingen, dass sie ihren Weg gehen und das tun was sie machen aus Überzeugung.
00:35:47: Die Offenheit natürlich ist mir ganz wichtig.
00:35:50: aber der andere Punkt ist eben, dass man sich nicht verbiegt sondern dass man das was man tut aus Überzeugung macht und dass man etwas findet in seinem Leben wofür man brennt.
00:36:02: Weil ich glaube, das ist ganz entscheidend, dass man etwas hat, woför man wirklich brennend und was einem am Herzen liegt.
00:36:11: Und die Themen... Ich meine, ich habe natürlich viel Glück gehabt in meinem Leben!
00:36:16: Habt das gemacht?
00:36:17: Ich hab immer ergeben sich neue Möglichkeiten.
00:36:20: Ich hätte auch Pech haben können.
00:36:22: Also insofern muss ich da ein bisschen vorsichtig sein wenn ich das so empfehle.
00:36:26: aber ich kann für die... So als innere Haltung kann ich nur sagen Ich glaube, damit man dann auch in den Spiegel schauen kann und sagen kann ja das mach ich mit Überzeugung.
00:36:36: Und das mache ich weil ich es für richtig halte.
00:36:38: also da sollte man natürlich auch das Richtige finden nicht?
00:36:41: Also das ist natürlich noch eine andere Frage aber das ist glaube ich dass es insofern sind schon zwei zwei wichtige Botschaften.
00:36:51: Wenn Sie einen Blick auf die Gesellschaft richten weiß die Gesellschaft kann man eigentlich nicht so sagen Aber uns im Moment wo wir stehen politischen Diskussion, wie wir gerade unser weiteres Leben als Gemeinschaft sozusagen immer ja im politischen Prozess aufsetzen und verhandeln.
00:37:07: Hätten Sie eine Idee?
00:37:09: Ein Appell was würden sie sich wünschen für uns alle im Umgang miteinander?
00:37:16: Ja kurz gesagt mehr Gespräch.
00:37:19: also um das mir zu erläutern Wir haben es ja geschafft mit der sogenannten Brandmauer eine Partei so richtig groß werden zu lassen.
00:37:29: Im Grunde hat sich sehr erwiesen, dass die Brandbauer, die man gezogen hat zur Abgrenzung von der AfD das für die Partei das reinste Gewächshaus war.
00:37:37: Die ist ja dahinter richtig groß geworden weil wenn die Ausgrenzung konnte als sie natürlich hervorragend nutzen könnten.
00:37:42: aber da komme ich schon jetzt in den inhaltlichen Bereichen.
00:37:44: Ja, das machen Sie gleich mit Martin Lang deswegen bin ich auch hier schon
00:37:49: an Abwinden.
00:37:50: Aber der Punkt ist wir müssen das Gespräch führen miteinander mit radikalen Menschen, also irgendwann ist das Gespräch nie mehr möglich.
00:38:00: Aber Sie haben doch so viele Menschen die sind ja nicht selber Extremisten nur weil sie beispielsweise die AfD wählen.
00:38:07: und dass man das Gesprächen nicht aufgibt.
00:38:09: Dass man das gespräch führt und nicht das Gespräche belährt, nicht dass man mit dem erhobenen Zeigefinger kommt sondern erst mal sich darauf ein, dass uns fragt warum kommen Sie eigentlich darauf zu einer Position?
00:38:21: und zwar jetzt offen, nicht im vorwurfsvollen Stil.
00:38:24: Sondern dass man einfach mal das Gespräch führt miteinander und sich einlässt auf die Position eines anderen.
00:38:30: Und ich glaube es ist ganz wichtig, dass man das Gesprächen nicht aufgibt weil alles andere für zur Polarisierung.
00:38:37: Ich würde noch einen Punkt mitnehmen aus dem was ich heute aus dem Gespräch mit Ihnen gelernt habe.
00:38:42: Nicht nur des Gesprächs suchen sondern sich selber auch hinterfragen.
00:38:47: Wo hat meine Position lücken?
00:38:50: Wo kann ich sehen, dass das dem anderen meinem Gegenüber was mir vielleicht gerade nicht wohl ein Wohlgefühl vermittelt mit seiner Position wo es aber vielleicht einen validen Punkt getroffen hat, wo es etwas an meiner Position zu justieren geht damit wir dann auch gemeinsam vielleicht noch einen Strück weiterkommen?
00:39:11: Das ist richtig weil letztlich wenn sie fähig sind mit einem anderen ein gutes Gespräch zu führen, da müssen sie auch fähig sein mit sich selber.
00:39:18: Ein gutes Gesprächen zu führen.
00:39:20: Also der Dialog ist etwas was in einem selber ja anfängt.
00:39:25: oder es gibt eine starke Wechselwirkung zwischen dem Dialog mit dem Anderen und dem Dialoge mit sich selbst dass man immer überlegt stimmt das so?
00:39:36: Und dass man versucht weiterzukommen und das heißt zweierlei, dass man einerseits nicht einfach dogmatisch irgendeine Position vertritt Und dann dabei stehen bleibt, aber andererseits auch nicht in der Skepsis verharren.
00:39:49: Dass man sagt es gibt ja keine Wahrheit und insofern brauche ich da jetzt nicht weiter zu denken.
00:39:55: Letzte ist er skeptiker genauso dogmatisch wie der Dogmatiker in seiner Negation der Wahrheit.
00:39:59: also Insofern das sind zwei falsche Wege und wenn man das Gespräch mit sich selber sucht und weiterkommen will Dann hat man schon ein Stück weit beides überwunden.
00:40:13: Vielen Dank.
00:40:14: Ich finde mit allem, was Sie heute gesagt haben aus Ihrem Leben unterstreichen Sie nur das, was sie jetzt zum Schluss an uns alle als Appell gerichtet haben.
00:40:20: Danke Henry Kansen dass Sie so offen aus ihrem Leben berichtet haben!
00:40:24: Ich danke Ihnen für die Einladung.
00:40:25: Das waren wir einfach nügen.
00:40:27: Und Ihnen vielen Dank, dass Sie den Podcast aus dem Roman Herzog-Institut eingeschaltet haben.
00:40:31: Ich hoffe es hat Ihnen Spaß gemacht uns heute einmal im Studio zuzugucken.
00:40:36: Ja wir werden weiter von hier senden und ich freue mich auf Ihre Kommentare.
00:40:42: Vielen Dank und bis zum nächsten Mal Tschüss!
00:40:44: Nur wer dir richtigen Fragen stellt findet am Ende auch die Antworten, die zu einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung Deutschlands beitragen.
00:40:54: Dr.
00:40:54: Martin Lang geht diesen Fragen in den RHI Kontexten
00:40:58: auf den
00:40:58: Grund.
00:40:59: Schauen Sie rein, auf unserer Webseite unter romanherzoginstitut.de
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