#77 Roberto Simanowski: „Der Dialog ist etwas, was in einem selber anfängt.“

Shownotes

In dieser Folge des RHI-Podcasts spricht Tina Maier-Schneider mit dem Literatur- und Medienwissenschaftler Roberto Simanowski über seinen persönlichen Weg. Von der DDR über Harvard bis nach Rio de Janeiro und darüber, warum ihn bis heute vor allem eines antreibt: die Freude am Denken.

Schon früh lernt Simanowski, Dinge nicht einfach als gegeben hinzunehmen. Aufgewachsen in der DDR entwickelt er eine skeptische Haltung gegenüber vermeintlichen Wahrheiten. Eine Haltung, die ihn bis heute prägt. Im Gespräch erzählt er von seinem ungewöhnlichen Bildungsweg, von einer Ausbildung zum Instandhaltungsmechaniker, seinem Wunsch, Literatur zu studieren, und den Umwegen, die ihn schließlich doch in die Wissenschaft führten. Ausgerechnet diese Erfahrungen haben seinen Blick auf Bildung, Freiheit und kritisches Denken nachhaltig geformt.

Natürlich geht es auch um künstliche Intelligenz – allerdings weniger als technische Innovation denn als gesellschaftliche Herausforderung. Simanowski erklärt, warum ihn weniger die Technologie selbst beunruhigt als die Versuchung, das Denken und Schreiben an Maschinen abzugeben. Für ihn liegt der eigentliche Wert nicht allein im fertigen Text, sondern im Weg dorthin: im Nachdenken, Formulieren und Ringen um Gedanken. So entsteht ein persönliches Gespräch über Skepsis als Haltung, Sprache als Heimat und die Frage, warum wir uns den Spaß am eigenen Denken nicht nehmen lassen sollten.

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🎧 Der Interviewpodcast aus dem Roman Herzog Institut mit wechselnden Gästen. Im persönlichen Gespräch unterhalten sich Köpfe der Wissenschaft mit Host Tina Maier-Schneider über ihr Leben und ihre Arbeit. Hier lernen Sie Wissenschaftler:innen kennen, die etwas bewegen. Auf unserem YouTube-Kanal finden Sie das Schwesterformat RHI-Kontexte, in dem Dr. Martin Lang mit führenden Wissenschaftler:innen aus verschiedensten Disziplinen intensiv ihre Forschungen und Gedanken diskutiert. 🔥 Abonnieren Sie den YouTube-Kanal des Roman Herzog Instituts direkt hier: https://bit.ly/AboRomanHerzogInstitut

+++ Über das Roman Herzog Institut +++

➡️ Das Roman Herzog Institut ist ein zukunftsorientierter Think Tank, der sich aus interdisziplinärer Perspektive mit den Kernthemen Werte, Führung und Zukunftsaussichten auseinandersetzt. Unser Institut überwindet die Barrieren zwischen verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen und erarbeitet fächerübergreifende Langfristperspektiven für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Durch die Vernetzung von Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen entstehen fruchtbare Diskussionen und innovative Lösungen für die aktuellen Herausforderungen Deutschlands. Ein Schwerpunkt unserer Formate liegt auf der Zukunft der Arbeit, wobei wir die Auswirkungen von Vernetzung, Industrie 4.0 und Künstlicher Intelligenz auf unser Arbeitsverständnis und deren gesellschaftspolitische Konsequenzen beleuchten. Unser Ziel ist es, Impulse für die zukünftige Entwicklung Deutschlands zu setzen und den Dialog mit Entscheidungsträger:innen, Unternehmen und Verbänden zu fördern. Wir sind mehr als nur ein Ort für Studien und Positionen; wir sind ein lebendiger Raum für Dialog und Diskussion, sei es durch wissenschaftliche Symposien oder kontroverse Streitgespräche.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Der Podcast des Roman-Herzoginstituts.

00:00:04: Durch Deutschland muss er in den Ruck gehen.

00:00:06: Tina Meyer Schneider spricht mit Menschen, für die diese Aufforderung eine Aufgabe ist.

00:00:13: Aber die KI ist ja noch mal eine Stufe mehr!

00:00:16: Die will mir dann meine Texte schreiben bzw.

00:00:19: ich bin versucht sie darum zu bitten mir meine Texten zu schreiben.

00:00:23: und diese Versuchung die ist das Gefährliche.

00:00:26: und wenn die nicht mehr da wäre würde ich leichter schlafen können.

00:00:32: Und ich sage Ihnen auch, Sie kriegen bei mir Punkte nicht wenn sie mir nach dem Mund reden das Gleiche sagen was die glauben was ich hören möchte sondern wenn sie mich schlüssig nachweisen können wo ich ein Fehler mache oder wo ich etwas übersehen habe und wo man die Sache auch anders sinken.

00:00:48: Weswegen ich wahrscheinlich von mir behaupten kann dass ich der einzige Literatur-und Medienwissenschaftler auf der Welt bin der einen Kernreaktor von innen gesehen hat.

00:01:00: Hallo

00:01:00: und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Podcasts aus dem Roman Herzog-Institut.

00:01:05: Mein Name ist Tina Meier Schneider, heute zu Gast bei mir im Studio ist Roberto Simanovsky.

00:01:10: Er ist Literatur- und Medienwissenschaftler, Publizist und einer der bekanntesten deutschsprachigen Denker zur digitalen Gesellschaft.

00:01:17: Seit Jahren beschäftigt er sich mit den Folgen von Digitalisierung, sozialen Medien und künstlicher Intelligenz für Freiheit, Öffentlichkeit und Verantwortung.

00:01:27: Also genauer gesagt was für eine Bedeutung das hat miteinander.

00:01:30: Heute wollen wir aber nicht nur über seine Ideen sprechen sondern wie immer im RHI-Podcast über den Menschen hinter diesen

00:01:36: Gedanken

00:01:37: ihren Werdegang seinen Werdegan, seine Prägung und Perspektiven Und ich freue mich dass er heute hier ist.

00:01:42: Hallo Roberto Simanovski!

00:01:46: Wie wäre das?

00:01:46: Sie wachen morgen auf es macht pling.

00:01:50: Alle Ihre Befürchtungen über künstliche Intelligenz haben sich in Luft aufgelöst.

00:01:55: Wären Sie befreit oder doch eigentlich eher betroffen, dass das so eingetreten ist?

00:02:00: Oh!

00:02:00: Also wenn man... Wenn sich Befürchungen in Luft auflösen, dann sollte man ja wohl befreitt sein.

00:02:06: Aber die Frage ist was heißt es, wenn die KI weg ist?

00:02:09: Ist da der Computer auch weg?

00:02:11: muss ich wieder mit der Hand schreiben oder habe ich noch die Suchfunktion und dergleichen?

00:02:18: Also ein paar Sachen würde ich schon gerne, dass sie bleiben.

00:02:22: Ja okay!

00:02:22: Ein paar andere Sachen würde sich gerne gar nicht erst entwickeln.

00:02:27: Okay aber das heißt wenn die Befürchtung zu KI weg sein müssten aus ihrer persönlichen Perspektive heraus dann müsste auch... Der Computer weg sein oder?

00:02:38: nein, das nicht unbedingt.

00:02:39: Nein also der Computer ist an sich erst mal ein Werkzeug.

00:02:42: da würde ich schon sagen dass kann man auch als Werkzeug benutzen und dann benutzen wir das so dass es uns hilft etwa bei der Erledigung kognitiver Aufgaben wenn wir Texte schreiben müssen oder dergleichen ja aber es hilft uns eben dann schneller Informationen zu finden Fakten durch die Schreibprogramme dann eben mal eine alternative Formulierung.

00:03:05: Und ich muss nicht mehr ans Regal gehen und mein Synonym wird der Buch raus suchen, das kann ich jetzt auch gleich online machen weil der Computer heißt ja auch das Internet.

00:03:16: Aber die KI ist noch einmal eine Stufe mehr!

00:03:18: Die will mir dann meine Texte schreiben.

00:03:22: Ich bin versucht, Sie darum zu bitten mir meine Texte zu schreiben.

00:03:26: Und diese Versuchung ist das Gefährliche und wenn die nicht mehr da wäre würde ich leichter schlafen

00:03:32: können.

00:03:32: Okay gut über Versuchungen vielleicht auch mal in Ihrem Leben wie es so gekommen ist dass sie heute das machen was sie machen geben wir jetzt nochmal gleich jetzt vorne weg.

00:03:42: okay wär das denn eine versuchung für Sie oder Sie wären das glaube ich öfter auch gefragt.

00:03:49: Schreibt die KI ihr nächstes Buch, Herr Simanowski?

00:03:52: Ja ich hoffe nicht.

00:03:53: also es... Ich hoffe nicht.

00:03:55: im Grunde ist ja dieses Buch auch so eine Art persönliche Abrechnung mit der KI gewesen, die mich da immerhin mit der Arbeitslosigkeit bedroht wenn sie verspricht Bücher schneller und vielleicht sogar besser zu schreiben und zwar einschließlich der Bücher über die KI und dann hätte ich in der Tat nichts mehr zu tun und insofern wollte ich in dem Buch aufmerksam darauf machen, dass wir eben nicht alles an die KI auslagern sollten.

00:04:23: Dass wir sie weise einsetzen sollten, das wir aber uns den Spaß am Denken nicht nehmen dürfen und dass wir auch den Text in der Tat besser oder jedenfalls schneller schreiben kann als ich, nicht unbedingt als das Ziel ansehen sondern das Ziel ist es unterwegs sein zum Text des Schreiben oder dass unterwegs sein in der Landschaft des Denkens, sagen wir es mal so ganz poetisch.

00:04:49: Aber ich wollte das Buch eben auch so schreiben, dass man beim Lesen dann Spaß hat und merkt wie man selber Spaß am Denken hat.

00:04:57: also das Buch sollte in einer Art performativen Akt den Entschluss bestätigen, dass wir uns diesen Spaß auf keinen Fall von der KI aus der Hand nehmen lassen sollten.

00:05:10: Spaß am Denken, würden Ihre Freunde sagen?

00:05:12: Das charakterisiert Sie auch ein Stück.

00:05:16: Ich wünschte mir das, dass sie das so sehen die Freunde und auf jeden Fall würde ich mich so beschreiben ja.

00:05:22: Und den skeptischen Roberto Simanovsky sehen die auch viel in ihrem Privatleben oder mehrso eine Forschergeschichte rein?

00:05:30: Nein, das ist schon da auch im Privaten.

00:05:32: also es wird mir vorgeworfen, dass ich zu oft zu ironisch bin und dass dann manche Freunde auch jetzt nicht wüssten, was ich gerade damit meine.

00:05:43: Also es ist dann schon manchmal anstrengend.

00:05:45: Man muss dann schon wenn man mit mir isst ein bisschen mitdenken.

00:05:48: Okay!

00:05:50: Ist das so etwas?

00:05:51: Es ist total ne... Salope Brücke geschlagen, aber sie sind aufgewachsen als die Mauer noch stand sagen Sie so manchmal.

00:05:59: Ist das was dieses ironische skeptische vielleicht auch nicht mal in alles vertrauen?

00:06:06: Was was Ihnen so in der Jugend und der Kindheit irgendwie in der Prägung mitgegeben wurde?

00:06:12: Das haben sich schon gut erfasst.

00:06:13: also dass hat sich sicherlich als Protesthaltung entwickelt zu dieser Position zu diesem Dogma, dass man das und das die Wahrheit sei.

00:06:26: Und eben auch zum Wissen, dass vieles was einem gesagt wird eben Propaganda ist.

00:06:34: Wenn man das weiß mit diesem Wissen aufwächst dann nimmt man wahrscheinlich so eine ironische oder zumindest skeptische Haltung zum Wissenein und insofern wäre das schon logische Schlussfolgerung dazu.

00:06:50: Und als die Mauer fiel und ich dann eben auch Texte lesen konnte, die ich vorhin nicht lesend konnte also die ganze Kostmoderne war ja damals noch sehr modern in den Achtzehundern neunziger Jahren das war natürlich auch die Philosophie für mich.

00:07:04: da fand ich mich dann wieder weil da eben gerade dass der Duktus in der Wahrheit zu sein eben sehr stark infrage gestellt wurde und etwa das schwache Denken, wie das ein Philosoph Gianni Vattimo aus Italien beschrieben hat.

00:07:23: Das Schwache Denk hochgehalten wurde also dass man immer sich selbst misstraut weil man mit bedenkt dass man ja in bestimmten auch nur aus einem bestimmten Rahmen her seinen sozialen und auf seinem Diskursrahmen so denkt wie man denkt.

00:07:36: und wäre man in einen anderen Rahmen hineingeboren worden würde man anders denken und daraus resultierte Hoffnung, daraus resultiert dann eben auch eine gewisse Toleranz gegenüber anderen die eben aus einem anderem Rahmen heraus denken und deswegen das schwache Denken dass sich selbst dann auch immer misstraut.

00:07:55: Und ich glaube das habe ich mir seitdem auch zur Aufgabe gemacht.

00:07:59: also insofern Ich misstraue mir auch selbst gerne und lasse mich übrigens auch gerne von meinen Studentinnen.

00:08:10: Also ich sage Ihnen immer, die kriegen bei mir Punkte nicht wenn Sie das Gleiche sagen wie ich sondern wenn sie mir schlüssig nachweisen können wo ich ein Fehler gemacht habe.

00:08:17: Also Ihre Studenten dürfen Sie auch challenging Herr Simonowski?

00:08:21: Und ich sage ihnen auch, sie kriegen bei Mir Punkte nicht Wenn Sie mir nach dem Mund reden Das Gleiche Sagen was die glauben was ich hören möchte Sondern wenn Sie mir schlüssig Nachweisen können Wo ich einen Fehler mache oder wo Ich etwas übersehen habe und wo man die Sache auch anders sehen kann.

00:08:37: Also in jeder Antwort kommt dieses Freude am Denken, Motivation zum Denken.

00:08:43: KI auch okay wenn man noch weiter denkt oder Frau noch weiterdenkt?

00:08:48: Oder das KI-System eben mit Fragen und Überlegungen der eigenen Natur, des eigenen Apparats hier oben challenged?

00:08:57: jetzt Sie haben beschrieben, in ihrer Jugend in der ehemaligen DDR war das natürlich so eine Grundhaltung.

00:09:05: Von ihnen ist es auch was, was in Ihrer Familie gelebt und gefördert wurde.

00:09:09: oder hatten sie da schon Herausforderungen im Elternhaus zu bewältigen?

00:09:14: Im Sinne des... auseinandersetzen, diskutieren kritischen Denkens.

00:09:18: Ging das?

00:09:19: Wurde das gemacht?

00:09:20: Na ich bin ja so ein typisches Arbeiterkind also typische Bildungskarriere der DDR.

00:09:26: meine Eltern haben nicht studiert deswegen gab es da auch nicht große Diskussion über philosophische Themen oder dergleichen und ich war dann der erste der Studieren konnte war nicht ganz so einfach aber ich durfte am Ende eben studieren.

00:09:42: Ist das dann eher so typische DDR-Geschichte, erste Generation?

00:09:46: Die beim Migrantinnen jetzt.

00:09:48: Wo dann plückt irgendwann die dritte Generation, die studiert und damit kommt dann die Bildung überhaupt erst in den Familienkreis hinein.

00:09:56: Also auf denen bin ich nicht gestoßen

00:10:01: auf

00:10:01: Fuchs.

00:10:02: Aber das war auch ein Ordnung für ihre Eltern.

00:10:04: Die haben das schon auch gefördert, dass sie diesen Weg eingeschlagen sind in die Arbeiterschaft gegangen und unterstützt waren?

00:10:13: Ja,

00:10:13: das haben sie unterstützt.

00:10:14: Also meine Eltern waren jetzt Angestellte.

00:10:18: Die fanden das in Ordnung.

00:10:21: Insofern bin ich nicht wirklich ein Arbeiterkind, aber eben ein Kind von uns Studierten, also das erste Generationen, den ich studieren konnte.

00:10:29: Wobei ich – das ist noch eine Anekdote aus meiner ganz persönlichen Geschichte – ich bin ja dann Arbeiter geworden!

00:10:35: Ich habe ja ne Klempenausbildung gemacht.

00:10:38: Echt?!

00:10:39: Wie kam es dazu?

00:10:40: Das ist spannend, ja.

00:10:42: Also im Grunde weil ich... das ist schwierig.

00:10:46: in der DDR wurde in der achten Klasse festgelegt wer auf die Erweiterte Oberschule darf, dass ist das Gymnasium und zwar da durften nur vier oder fünf oder so.

00:10:56: Ich weiß nicht mehr genau Und ich war zwar der beste Jungen einer klasse von dreißig aber Es gab vier Mädchen die waren besser und In der achte Klasse Jungs sind alles Spätsünder und so weiter.

00:11:07: Und außerdem konnten die besser singen, und sie hatten auch... und die waren auch im Betragen besser weil die Kopfnoten wurden mitgezählt.

00:11:15: Also mein Durchschnitt war dann eben ein bisschen schlechter als bei diesen vier Mädchen und die konnten auf die EOS gehen?

00:11:22: Ich nicht!

00:11:23: Ich hätte gehen können wenn ich mich zum doppelten Wehrdienst verpflichtet hätte also drei Jahre Wehr-Dienst das achtzehn Monate.

00:11:30: Dann hätte ich wurde mir dann gesagt Ich wollte ja auf die US.

00:11:54: Aber es gab dann eben auch eine Alternative, man konnte eine Facharbeiterausbildung mit Abitur machen und das habe ich dann nach der Oberschule gemacht, das war dann eben Facharbeiterausbildung drei Jahre statt zwei Jahre und ein Jahr war dann das Abitur.

00:12:11: Also ein Jahr weniger als normal.

00:12:13: es war so eine Art Notabi und da war kein Biologie dabei.

00:12:16: ich hätte also nicht Medizin studieren können aber Geschichte und Literatur war dabei und das habe ich ja dann studiert.

00:12:22: insofern hatte ich die Abitureife und konnte dann also studieren.

00:12:26: Aber ich hab diese Facharbeiterausbildung das war entweder als Klemner bzw.

00:12:30: Steinhaltungsmechaniker wo man uns dann ins Kernkraftwerk Kreiswald, Lubmin bei Kreisfalte geschüttert und ich da dort gearbeitet habe.

00:12:41: Und auch im ersten Kreislauf eben Atomkraftwerk gearbeitet hab.

00:12:46: Weswegen ich wahrscheinlich von mir behaupten kann dass ich der einzige Literatur- und Medienwissenschaftler auf der Welt bin, der einen Kernreaktor von innen gesehen hat.

00:12:56: Verrückt.

00:12:57: Hilft Ihnen das, dass die so Sachen in Stand halten können im täglichen Leben und beim Freundeskreis?

00:13:04: Nein,

00:13:04: nein!

00:13:05: Also dann hätte ich nicht ins Krankenwerk dürfen weil was konnten wir da schon groß tun?

00:13:09: Wir haben faktisch die Schweißnähte entrostet damit die russischen Spezialisten dann kommen können und dort ihre Arbeit machen können.

00:13:18: also wir durften natürlich im ersten Kreislauf nicht viel machen und ich habe auch gelernt zu fallen und zu bohren und so weiter, aber ich würde mich jetzt nicht anbieten als Kemptner der ihre Rohrleitung in Zuhause repariert.

00:13:34: Ich glaube, ich kann Ihnen eher ein Problem... ...zu einem Problem einen Buch schreiben, als die Dichtung der Rohrleistungen

00:13:39: auswechseln.".

00:13:40: Was für eine schöne Perspektive!

00:13:42: Also da komme ich drauf zurück wenn das mal so weit ist.

00:13:46: Jetzt aber zu Ihrem Studium.

00:13:48: Sie haben gesagt sie haben dann angefangen zu studieren Aber auch das war nicht so ganz am Anfang, was sie wollten und wie sie wollten.

00:13:57: Nicht von der Freiheit geprägt mit der Sie jetzt

00:14:01: agieren?

00:14:01: Das stimmt.

00:14:01: also ich wollte ja Literatur studieren, dass war das!

00:14:04: Und ich habe dann schon als Instandhaltungsmechanik Lehrling auch schon fleißig die ganze deutsche Literaturgeschichte runter gelesen.

00:14:13: Ich hab mir so einen Plan gemacht jede Woche ein neuer Outdoor und es waren meistens wirklich Autoren Ein Buch von dieser Person und ein Buch über diese Personen.

00:14:23: Und ich habe beim Hildebrandslied angefangen, und ich bin bis zu Thomas Mann gekommen.

00:14:29: Also fleißig gearbeitet und hab dann auch in Greisfalz in der Universitätsbibliothek dort gesessen und meine Abende verbracht, wenn andere schon beim Trinken waren.

00:14:40: Aber ich durfte – naja, nicht dass ich nicht Literatur studieren durfte!

00:14:46: Es war aussichtslos sich auf Literatur Wissenschaft zu bewerben, denn es gab sehr wenige Stellen dafür und da musste man dann schon gewisse Loyalität Beweise erbringen damit man unter diesen wenigen die da auserkoren waren Gewählt wurde damit man dabei sein konnte.

00:15:07: Und ich hatte eben keinen doppelten Wehrdienst gemacht auch später nicht und ich wollte auch nicht in die Partei entreten und und als mein Lehrer der für uns verantwortlich war in dieser Lehrlingsgruppe da in Kreiswald, dann mit uns ein Gespräch führte.

00:15:23: Die mussten ja immer Gespräche führen und uns dafür werben, doch doppelten Armee-Dienst zu leisten oder eine Partei einzutreten weil wir mal studieren wollen sind wie Akkader usw.

00:15:35: Und ich sagte nein, nein, Nein!

00:15:38: Dann gebe ich dir einen Tipp Bewerbe dich nicht für Literaturwissenschaft das wirst du niemals kriegen.

00:15:45: bewerbe Dich als Lehrer für Deutsch und Geschichte.

00:15:49: Männliche Lehrer werden gebraucht, weil die Weiblichen, die kriegen nach dem Abschluss dann meistens Kinder gründen Familie und da kann man sie nicht darin schicken wo man Lehrer braucht.

00:15:59: Und die Männlichen... Da geht das!

00:16:02: Und da schaut man deswegen also auch nicht darauf ob die eben diese Loyalitätsnachweise erbracht haben.

00:16:09: und der hatte Recht.

00:16:11: ich habe mich dann beworben und wurde zum Studium zugelassen.

00:16:13: Da gab es dann schon Wege.

00:16:17: Ich habe mich dann so mehr an die Leute aus der Literaturwissenschaft gehalten, bin dann recht früh in einer Forschungsgruppe da hineingekommen und hatte dann eben stärker die Literatur- wissenschaft im Studium als die Geschichtswissenschaft.

00:16:31: Und so bin ich dann bei der Literaturwissenschaft dann auch geblieben und hab dann da promoviert.

00:16:38: Und dann ging's weiter?

00:16:39: Dann ging's nämlich aus diesem wie Sie es beschrieben haben doch... vorgezeichneten eher was andere so für Ideen, für Einheiten oder Möglichkeiten am aufgezogen haben ging es dann in die weite Welt hätten sie sich wahrscheinlich in der achten Klasse noch nicht vorstellen lassen.

00:16:58: Das hätte

00:17:00: ich mir auf keinen Fall vorstellen können.

00:17:03: wobei ich sagen muss als ich das Studium begann da wusste ich irgendwie dass ich die Weite Welt sehen werde.

00:17:10: Ich war überzeugt Nicht, dass die Mauer fällt oder das es zur Wiedervereinigung kommt.

00:17:15: Das hatten ja viele auch in der DDR nicht für möglich gehalten.

00:17:20: Aber es gab ja Gorbyshoff schon und Glasnost und Perestroika.

00:17:23: Und es war klar, es musste sich auch an der DDR etwas ändern.

00:17:29: Es musste eine Öffnung kommen, die dann auch dahin führt, dass man eben die Welt sehen kann.

00:17:34: Da war ich als zwanzigjähriger eigentlich recht optimistisch Und als das dann möglich war, bin ich erst mal noch in Jena geblieben und habe da mein Promotionsstudium fertig gemacht.

00:17:48: Aber danach hab' ich dann den Göttingen gearbeitet weil es auch eine Verbindung hat.

00:17:55: also einer meiner Doktor-Fäter kam aus Götdingen.

00:17:59: Einer andere, ich hatte also drei Doktor, Väter und Mütter, kam aus München

00:18:03: übrigens

00:18:04: Und die waren nämlich beide in Jena gewesen, hatten dort akademische Entwicklungshilfe geleistet.

00:18:10: Und so lernte ich sie kennen und die haben dann auch uns ein bisschen geholfen also uns Oststudenten und eine Co-Betreuung angeboten und das davon hatte ich dann also auch sehr profitiert von dieser Hilfe aus dem Westen sozusagen

00:18:25: ja

00:18:27: aber Ich bin in jener geblieben habe mich nicht immatrikuliert den Götting oder so.

00:18:31: deswegen habe ich in jena die Promotion dann eingereicht Und danach hatte ich ein Jahr in Göttingen, in einem Sonderforschungsbereich.

00:18:39: Aber es war dann klar mein Thema ist Literatur und Cyberspace.

00:18:44: Das war mein Ziel.

00:18:46: Darüber wollte ich forschen wie sich Literatur unter den neuen Medien.

00:18:50: das Internet kam ja dann auf.

00:18:52: wir reden jetzt über das Ende der neunziger Jahre Wie sich Literature da entwickelt?

00:18:58: Da hatte ich dann so einen Forschungskonzept geschrieben für die Humboldt Stiftung die ja eigentlich recht konservativ ist, aber aus irgendeinem Grund hat sie das angenommen.

00:19:08: und dann bin ich zwei Jahre nach Harvard gegangen und habe dann diese Frage dort bearbeitet.

00:19:14: Und so hatte ich dann eben Fuß gefasst in den USA wo ich dann insgesamt nicht am Stück, aber insgesamt zehn Jahre meines Lebens verbrachte.

00:19:24: Das war faktisch der erste Schritt in die internationalen Aber auch eine andere Disziplin digitale Literatur, wie ich mein Thema dann nannte.

00:19:36: Das führte mich ja recht bald weg von dem was der Kern der Literaturwissenschaft ist.

00:19:41: Also es ging ja um Texte die irgendwie im Internet entstehen, die sich auch mit Bildern verbinden und mit Videos also auch intermedial und so kam ich immer mehr zu dem was dann die Medienwissenschaft eigentlich bearbeitet.

00:19:55: Und so kam es dazu dass ich dann zehn Jahre später in der Medien Wissenschaft habilitiert habe.

00:20:02: Da kam dann die Interdisziplinarität zur Internationalität hinzu.

00:20:06: Ja, ich habe es hier gerade so geguckt aber leider ist das mir entfallen.

00:20:09: Helfen Sie mich auf die Sprünge!

00:20:10: Sie haben ja auch für Poetik Dichtung eine digitale Plattform einmal Jahrzehn gegründet.

00:20:20: Hälsen

00:20:20: sie mir?

00:20:20: Ja, das war in der Sitzung von dem Server Harvard University, wo ich als Postdoc Fellow angestellt war.

00:20:33: Und ich hatte halt gemerkt, dass es kaum einen Journal gibt wo man diese Frage Literatur und Cyberspace Literatur die im Cyberspaces entsteht also Cyberspaced so nannte man das Internet damals.

00:20:47: Also die da entsteht mit den neuen Medien und deswegen gründete ich dieses Dichtung digital heißt das.

00:20:54: Danke schön!

00:20:56: Das dieses Journal das war zweisprachig Deutsch und Englisch Und das habe ich dann fünfzehn Jahre auch herausgegeben.

00:21:04: und da hab' ich dann alle, die zu diesem Bereich arbeiteten als AkademikerInnen oder auch als KützlerInnen.

00:21:12: Die auch Texte produzierten und auch praktische Arbeit also auch MuseumsleiterInnen, mit denen habe ich Interviews gemacht oder es gab eben Texte von Akademikerinnen, die dann dort publiziert wurden und so einem breiten Publikum leicht zugänglich gemacht wurden.

00:21:29: Also das war sozusagen der Idealismus den ich mir fünfzehn Jahre lang geleistet habe.

00:21:35: Hätte ich das in anders eingesteckt?

00:21:40: Ich war sozusagen ein Early Adapter, hätte ich das anders.

00:21:46: Ich hab mal einen Familienmitglied von meiner Frau.

00:21:54: Der war auch recht früh im Internet unterwegs, aber der hatte eben BWL studiert und er hat dann andere Projekte gemacht also so Verkaufsmodi.

00:22:04: Und der war dann bald Millionär.

00:22:07: das habe ich leider mit meinem Journal nicht geschafft.

00:22:11: Aber Sie haben da trotzdem ja auch ein paar ganz spannende Leute gehabt auf der Plattform die auch heute einen Namen haben!

00:22:19: Sie stapeln jetzt eigentlich tief.

00:22:21: Ja, ich meine das Leben ist dann schon glaube ich auch interessanter als das eines BWLs wenn man das macht was ich da gemacht habe.

00:22:29: Man lernt halt viele interessante Leute kennen und dass man ist ständig in einem Denkprozess, in einem Findungsprozess.

00:22:36: Man lehrt immer wieder neue Dinge kennen.

00:22:38: Man hat immer... man isst faktisch immer im Bewegung gedanklich.

00:22:42: Und das macht so einen großen Spaß.

00:22:45: Das hält einen dann auch jung also Das hört ja auch nicht auf.

00:22:49: Also das hält einen dann auch lange jung und mit diesen Leuten, man bleibt natürlich im Kontakt Und die sind ja aus der ganzen Welt und das kommt eben.

00:22:59: Das führt eben auch dazu, dass man dann in der Welt rumreist zu Konferenzen oder man bekommt Einladungen um Vorträge zu machen.

00:23:07: Und das ist schon ein recht interessantes Leben.

00:23:11: Und weil die USA dieses Netzwerken, dieses auch vieles ausprobieren... ich meine Harvard ist Harvard kulturschock- oder angenehme Wohltat für

00:23:22: sie?

00:23:22: Es war kein Kulturschutz.

00:23:23: Also es war ja sehr westlich!

00:23:26: Und also da war nicht jetzt vieles anderes.

00:23:29: Der Unterschied zum Deutschen ist natürlich der Smalltalk, das ist bekannt und das war schon so eine Art Kulturschock, also so eine Direkteil der Deutschen.

00:23:38: die kommt dann nicht so gut an, da musste ich mich erst dran gewöhnen dass sich nicht immer das sage was ich denke sondern erstmal das was in der Situation gut ankommt egal wie ehrlich das dann ist ja?

00:23:51: Also ich habe dann auf Partys wo ich dann mich den ganzen Abend mit einer Dame unterhalten habe, die Hostin war.

00:24:00: Das war ein älteres Ehepaar, die uns da eingeladen hatten und die war sehr interessiert auch an meiner Vergangenheit DDR und so weiter.

00:24:07: Und wir haben uns lang unterhalten und sie sagten dann, Sie würde mich gerne einladen zu Ihrem Geburtstag in drei Wochen oder vier Wochen.

00:24:13: Ja!

00:24:14: Ich sagte ihr dass ich aber dann an der Westküste schon bin Und damit habe ich, sagte dann mein Begleiter total die Situation ruiniert.

00:24:23: Das hätte ich ihr nicht sagen müssen.

00:24:25: Ich hätte sagen müssen natürlich komme ich!

00:24:27: Natürlich komme ich und die hätte sich wahrscheinlich gar nicht dran erinnert dass sie mich überhaupt eingeladen hatte.

00:24:32: aber ich als Deutscher dachte ja ich weiß ja jetzt schon das ich da in New York bin.

00:24:36: also kann ich hier jetzt schon sagen dass das leider nichts wird.

00:24:39: aber es Botschaft kam an dass ich anderes besseres vorhabe.

00:24:43: Und das ruinierte absolut die Verabschiedung.

00:24:46: dann, ne?

00:24:47: Also solche Dinge sind dann eben Kulturschockfragen, die man sich klären muss zu... aber der eigentliche Kultureschock, der nein, den habe ich eher festgestellt später als ich dann mehr in Rio lebte oder in Asien, in Hongkong.

00:25:02: Das war eine ganz andere Art.

00:25:04: Aber New York ist nur ein anderes Berlin, würde ich sagen.

00:25:09: Wenn man ihre Website aufruft im Internet, tolles Bild.

00:25:12: Sie sitzen so mit Blick nach draußen, strandt mehr Rio ihr Zuhause dort.

00:25:18: Das ist oft

00:25:18: der Terras in Rio genau.

00:25:21: Ah, schauen sie mal!

00:25:23: Also da geht Ihr Herz auf wenn Sie da nur dran denken.

00:25:26: das ist schon so ein... also ich finde diese ganze, dieses ganze Foto auf dieser Website strahlt eine unglaubliche Ruhe bei sich und in sich.

00:25:35: Und es verkörpert ganz viel von ihnen.

00:25:38: irgendwie, ohne dass man sie kennt finde ich ein sehr persönliches Bild was Sie da ausgewählt haben.

00:25:42: Das ist interessant das Sie das sagen.

00:25:44: ja Es sitzt sich schön dort und es schreibt sich auch schön bis zu einer gewissen Zeit.

00:25:50: dann wird es zu heiß Da muss man reingehen, um unter der Klimaanlage faktisch klare Gedanken fassen zu können.

00:25:59: Das geht dann auf die Terrasse nur bis einem bestimmten Zeitpunkt am Morgen.

00:26:04: Und wie so Rio Herzimanovsky?

00:26:07: Das habe ich mir nicht ausgesucht.

00:26:08: Das müssen Sie meine Frau fragen.

00:26:10: Die wurde da geboren und hat dort ihre Beziehungen.

00:26:13: Warum die mal zur Konferenz ins regnerische Siegen kamen an einem November ... In einer Novemberwoche, das habe ich auch nie verstanden.

00:26:24: Aber es war halt eine internationale Konferenz und viele die eben in diesem Journal auftraten waren.

00:26:31: Und ich hatte eine Kooperation... Ich war damals dann schon Professor an der Brown University, ich hatte so eine Transatlantikkooperation von der DFG wird die finanziellen unterstützt mit Leuten aus Siegen, die ich selber auf Konferenzen kennengelernt hatte vorher.

00:26:46: So passiert sowas ja und die machte eben auch etwas digitales Literatur zum Internet und diese Konferenz war dann auf Englisch und das war für meine Frau ein guter Grund da hinzukommen um all diese Leute deren Texte sie zum Teil kannte mal live zu erleben.

00:27:07: und da haben wir uns dann kennengelangt.

00:27:10: Und dann jetzt können Sie es so gestalten, dass sie an beiden Orten miteinander sein können?

00:27:16: Jetzt können wir das so gestalken.

00:27:17: Damals war es erst einmal ein bisschen kompliziert mit der Entfernung und so.

00:27:23: aber irgendwann sind ja beide nach Hongkong gegangen.

00:27:31: Da hatte ich einen Ruf nach Hong Kong und sie hatte dort in einer anderen Uni auch eine Pustock-Stelle.

00:27:39: Das war dann, da waren wir dann faktisch neu zusammen in einem dritten Zusammenhang.

00:27:45: An einem drittem Ort ne?

00:27:46: Was natürlich der schlimmste Ort war indem man sich nur aussuchen konnte.

00:27:51: Sie zu zweit in diesem kulturellen Kontext oder...?

00:27:54: Nein das Schlimmste sagte ihr Vater weil jeder Schritt in welche Richtung auch immer hätte uns näher an Rio gebracht.

00:28:04: Es ist wirklich ganz auf der anderen Seite zu Rio und dann die Eltern zu sehen in Rio.

00:28:10: Und zwischendurch meine Berlin, das war schon ein bisschen kompliziert dann.

00:28:14: Also da würde ich sagen im Vergleich dazu ist das jetzt wo wir einen Teil des Jahres in Berlin verbringen den anderen dann in Rio.

00:28:21: Das ist sehr entspannt über dem was wir da erlebt hatten.

00:28:25: Okay, reden wir gleich noch mal drüber.

00:28:27: Aber Kulturshocks!

00:28:28: Was ist der Kulturshock wenn Sie in Berlin waren und sie in Rio aus dem Flieger steigen?

00:28:33: Was ist das Erste wo Sie denken oh ja ich bin wieder

00:28:37: dort?

00:28:39: Naja also der Umgang ist erstmal ein anderer viel freundlicher.

00:28:44: Ja aber der KulturShock ist auch.

00:28:46: es ist eben eine Gesellschaft die Nicht das soziale Netz hat, dass Deutschland hat und deswegen eine sehr große Diskrepanz zwischen Reich und Arm produziert.

00:28:57: Das heißt man lebt dort in Guarded Communities.

00:29:00: Man hat faktisch Wächte die das Haus bewachen oder die Anlage, in der das Haus meistens des Meereshochhäuser dann steht.

00:29:10: Man kann in bestimmten Gebieten wo das jetzt nicht so ist Guarded Community.

00:29:16: wo wir jetzt leben.

00:29:17: Das ist Bara, aber wir haben vorher in Gavia gelebt.

00:29:20: das ist also näher an der Universität Pukki, der katholischen, wo meine Frau studiert hatte und wo auch ich dann zum Teil gearbeitet habe, dass es so mehr ne Studenten ging und da kann man dann abends nicht mehr so einfach mit dem Hund rausgehen, das ist dann gefährlich!

00:29:36: Man kann nicht am Strand das Handy rausnehmen oder überhaupt nirgungswohl sollte man das Handy herausziehen.

00:29:42: ja wenn meiner Frau dann irgendwie nach dem Weg gucken musste, dann ist sie immer in ein Geschäft reingegangen.

00:29:48: Niemals auf der Straße das Handy rausziehen.

00:29:51: Also diese soziale Diskrepanzschaft eine solche Unsicherheit in der Gesellschaft dass einem dann wieder klar wird was man eigentlich an Deutschland hat.

00:30:04: Dass es da eben so ein soziales Netz gibt, das noch alle irgendwann Auskommen haben und man nicht wegen eines Fahrrads oder weniger umgebracht wird

00:30:15: Und dann im Flieger wieder zurück nach Berlin.

00:30:18: Was schlägt einem denn entgegen?

00:30:21: Ich finde das total spannend!

00:30:24: Was soll ich sagen, was schlägte einem dann entgegend?

00:30:26: Es ist ja nun nicht mehr so, dass es nicht Leute gibt die auch gut drauf sind in Berlin.

00:30:33: Das ist nicht so.

00:30:34: Aber es stimmt schon und da könnte meine Frau Geschichten erzählen.

00:30:38: Also Deutsche sind schon anders wenn mal etwas passiert Wenn der Hund zu laut ist oder so.

00:30:46: Und das ist dann eben in Brasilien nicht so.

00:30:50: Also da diese deutsche Ernsthaftigkeit und so weiter, die pflegt dann auch mal aufs Gemüt also vor allen Dingen bei meiner Frau, die das jetzt nicht so kennt.

00:31:00: Okay!

00:31:01: Also meine Frau ist froh dass sie einen deutschen gefunden hat der nicht so richtig deutsches wie sie sagt.

00:31:07: ich kann es nicht so einschätzen

00:31:09: Wie schön Das ist schön ein Deutscher der nicht wirklich deutsches an der Stelle.

00:31:14: Aber Sie haben es eben auch in einem jetzt nochmal ein bisschen mehr an Ihren Werdegang anklingen lassen.

00:31:20: Also sie sind dann raus, haben die Professorin Amerika oder erst mal das Forschungsfenster angenommen und dann führte sie aber ist immer eigentlich wieder an Universitäten

00:31:35: nicht

00:31:36: in Deutschland zurück.

00:31:38: Ist das eine Besonderheit in Ihrer Forscher-Karriere?

00:31:44: Ja, das ist eine.

00:31:45: Also ich wurde auf die Stelle an der Braun University aufmerksam gemacht.

00:31:50: Man hatte wegen des Journales, des Onlinejournalistrichtung Digital von meiner Arbeit gewusst.

00:31:56: Da war auch das zweite Buch.

00:31:57: dann erschienen bei Surkamp-Edition über das Schreiben im Netz und man wollte an diesem Department – es war ein German Department also noch deutsche Literaturwissenschaft Aber man wollte in diese Richtung gehen, in die ich gegangen war.

00:32:14: Und deswegen hatte man mich eingeladen, mich doch auf die Stelle zu bewerben und dann habe ich die auch bekommen und das führte eben dazu dass es sich in den USA blieb.

00:32:25: Das waren faktisch zwei Jahre nach dem Ende meines Forschungsaufenthalts an Harvard aber die Kontakte waren da und ich war auch zwischendurch dann noch mal ein halbes Jahr in der Universität in Seattle in Washington Und so war ich sowieso mit der USA verbandelt und hatte auch dort Bewerbungen schon geschrieben.

00:32:51: Und dann später, dass sich an die Medienwissenschaft gewechselt bin weil ich ja eigentlich keine Germanistik mehr machte das lag irgendwie nahe.

00:33:01: und so kam ich dann nach Basel.

00:33:04: Ja von dort habe Weg beworben nach Hongkong, da habe ich dann auch wirklich nur noch digitale Medien gemacht an der School of Creative Media.

00:33:14: Also war dann wirklich bei meinem Gebiet die Medienwissenschaft in Basel hatte ja alle Medien enthalten also nicht nur die digitalen was aber in Ordnung ist?

00:33:23: Dann hat man halt ein breites Spektrum und ich weiß nicht wie ich sagen soll Man isst dann vielleicht auch ein bisschen aus dem Netzwerk draußen wenn man sich zu lange außerhalb von Deutschland aufhält Und dann ist es schwer, da wieder reinzukommen.

00:33:40: Also jetzt nicht so dass ich damit geliebäugelt hatte nach Deutschland zurück zu kommen und dort dann zu leben.

00:33:50: Aber das ist dann nicht so einfach wenn man keinen Fuß in keiner Tür hat ja?

00:33:57: Vor allen Dingen in meinem Falle wo ich auch von der Literaturwissenschaft in die Medienwissenschaft ging aber nicht in der Medienw Wissenschaft studiert habe also Connections vom Studium her und die in der Literaturwissenschaft, die waren halt nicht mehr... Ich war ja kein Literatur- wissenschaftler eigentlich mehr.

00:34:15: Die halfen mir nicht viel.

00:34:16: also das da kam dann Internationalität Interdisziplinarität bei Warnkamp erwiesen sich dann als zwei eher als zwei Hindernisse um in Deutschland Karriere zu machen.

00:34:30: Da war wo es eben oft sehr auf das Networking ankommt, da war es im Ausland einfacher wo's wirklich so ist dass man guckt was die Leute gemacht haben und dann man eine Chance hat die Stelle zu kriegen.

00:34:46: Auch

00:34:47: offener vielleicht in den Gesprächen wie sie das geschildert haben Aufkonferenzen oder wenn man eingeladen ist beim Host zum Abendessen dass es auch nicht so getrennt ist, das berufliche und das private sondern man spricht dann auch darüber.

00:35:00: Wo geht dein nächster Weg hin?

00:35:02: Was hast du für Ideen oder...

00:35:06: Ja wobei ich das jetzt nicht sagen.

00:35:07: Das gibt es in Deutschland auch

00:35:09: gerade

00:35:09: wenn sie da diese enge Verbindung zu den Professorinnen haben die dann eben fürs Networking für die Karriere so wichtig ist.

00:35:18: aber das habe dann mit meinem Doktorvater in Göttingen Horst Tod erlebt.

00:35:24: Das war auch, wir haben dann Seminarsitzungen die Doktoranden, die dann alle zusammen kamen und nach Götdingen kamen diese haben die zweite Sitzung fand bei ihm zu Hause im Salon statt noch mit Zigarette und Wein und so.

00:35:41: das war schon sehr persönlich viel persönlicher, als ich das in den USA kennengelernt habe.

00:35:48: Wo es dann doch schon ein bisschen sehr sachlich ist alles.

00:35:53: Aber da aber die negative Seite ist eben wenn man diese Kontakte da nicht hat oder der, den ich dann hatte mit Herrn Turg nichts bringt weil man ja nicht mehr in der Literaturwissenschaft unterwegs ist Dann fehlt das einem dann kommt man irgendwie da nicht rein.

00:36:10: Das ist dann der Nachteil.

00:36:11: aber ich würde sagen eher im Deutschland hat man dass er Engelbeziehungen zur Doktor-Mutter oder zum Doktorvater als in anderen Geburen.

00:36:23: Laren Sie heute Ihre Studenten auch zu sich ein?

00:36:25: Zu Wein und ... weiß ich nicht...

00:36:29: Naja, ist nix!

00:36:31: Ich weiß nicht ob man das inzwischen in Deutschland überhaupt noch macht und wenn dann auf keinen Fall mehr mit rauchen, das geht nicht, aber mit Wein weiß ich es nicht.

00:36:39: Es hat sich vieles verändert gegenüber den Neunziger ging da der Mitte, der neunziger Jahren und vieles was damals ging geht heute nicht mehr.

00:36:49: Ja hat auch digitale Lehre so in Zeiten wie sie eben während der Corona Zeit eingeführt wurde da auch noch mal ein anderes Verhältnis gebracht dass man nicht mehr so in die Vorlesung kommt und diskutiert mit ihnen oder mehr im Seminar?

00:37:08: Das stimmt also wenn ich jetzt Seminare.

00:37:14: Ich merke das oft, dass es Hybrid-Veranstaltungen gibt und also auch aus Rio heraus eine Keynote geben kann für eine Veranstaltung in Berlin oder so.

00:37:25: Das ist dann für mich von Vorteil.

00:37:27: wenn die das so hinnehmen, dass ich da nur vom Bildschirm auftrete, dann ist das ja in Ordnung.

00:37:34: Also für mich aber ich finde es schon besser wenn man sich persönlich begegnet weil in den Pausen Kaffeeautomaten abends dann bei einem Getränk.

00:37:45: Da passieren ja die eigentlich interessanten Gespräche und so weiter, das fehlt natürlich wenn man sich jetzt nur am Bildschirm trifft und deswegen bin ich froh dass es auch nicht so um sich gegriffen hat in Deutschland mit dieser Hybridform, wie das anderswo ist.

00:38:03: Also als ich an Pukki, also an der Universität in Rio unterrichtete ... oder war das... da hatte ich eine Vorlesungsreihe und die waren auch Hybridangeboten und viele blieben dann eben fern und waren nicht im Raum.

00:38:20: einige waren im Raum Und es war viel besser natürlich, die Leute im Raum zu haben um auch den Raum zu fühlen und da ist dann auch die Diskussion anders.

00:38:29: Aber mir hat einer von diesen Studenten dem Raum waren mit denen wir dann durchaus danach immer noch ein Bier trinken gegangen waren.

00:38:38: der hat mir erklärt dass das für ihn schon eine große Sache ist hier diese Stunde zu kommen für diese Veranstaltung weil es ist ne lange Anfahrt wohnt am Rande der Stadt wo es billiger ist und es ist auch gefährlich weil immer öffentliche Verkehrsmittel benutzt und so weiter, dann macht man sich immer verbundenbar.

00:38:57: Also wegen der Kriminalität die ich vorhin erwähnt hatte also das ist dann für manche auch sicherer von der Ferne her teilzunehmen es ein zusätzliches Inzentif, ein zusätzlicher Anreiz das zu tun abgesehen von der Bequemlichkeit die man hat und natürlich von dem was man alles nebenbei machen kann wenn man nicht im Raum sitzt und nur am Bildschirm.

00:39:20: Herr Simanowski, wenn Sie denken... Was ist Ihre Sprache?

00:39:25: Denken Sie auf Deutsch?

00:39:27: Ich denke auf Deutsch und Englisch.

00:39:29: Schon beides!

00:39:30: Also ja ich denke vieles auf Englische.

00:39:33: Vieles fällt mir inzwischen leichter auf Englig zu sagen weil ich mit meiner Frau bisher nur Englis sprach.

00:39:39: jetzt hat sie ja natürlich auch Deutsch gelernt und wir reden jetzt mehr auf Deutsch, aber so die Intellektuellen Gespräche führen wir auf Englisch.

00:39:48: Und da fällt mir vieles dann auf Engelisch eher ein als auf Deutsch.

00:39:52: Aber beim Schreiben – ich schreibe hier jetzt mehr aus Deutsch als auf Engelsch, also ich habe natürlich auch auf Englsch geschrieben und einige Bücher im amerikanischen Markt veröffentlicht, aber jetzt beim Schraben der letzten Bücher, die alle auf Deutsch waren Da ist das für mich auch nur ein großer Lustgewinnen.

00:40:11: Also in wieder sozusagen, das ist ja dann meine einzige Begegnung mit meiner Sprache.

00:40:16: Denn selbst die Texte, die ich über die KI gelesen habe, die sind ja alle auf Englisch.

00:40:21: Die sind ja international in der Lingua-Franka produziert und da finden sie kaum etwas auf Deutsch.

00:40:28: Das wären dann nur die alten Philosophen, die sich dann noch mit hineinwerfen, Kant und Hegel usw.. Aber die neuen Texten allauf Englische... Begegnung mit meiner Muttersprache geschieht mir dann, wenn ich nicht in Berlin bin.

00:40:42: Sondern in Rio auf dieser Terrasse nur, wenn Ich schreibe und das macht großen Spaß.

00:40:48: Dann ist meine Begehnung.

00:40:49: Ich bin ja eben als Literaturwissenschaftler auch ein Freund der Sprache.

00:40:53: Nicht nur der Gedanken und will die auch in eine bestimmte Form bringen.

00:40:57: Und werden wir da Sachen im Deutschen gelingen?

00:41:01: Das kommt dann alles wieder Wenn man über eine schöne Formulierung nachdenkt Dann ist das immer ein besonders schönes Erlebnis.

00:41:10: Roberto Semenowski, vielen Dank!

00:41:11: Das war ein total schöner Abschluss vor allen Dingen eine ganz tolle Überleitung denn mit Ihnen gibt es auch die RHI Kontexte mit Martin Lang und da reden Sie nicht wie mit mir jetzt über Ihren Werdegangen, über Ihre Ideen zur Welt, was sie geprägt hat sondern über Ihr Fachgebiet Vorüber Sie sich wissenschaftlich Gedanken machen.

00:41:35: Danke für Ihre Zeit, danke dass sie im RHI-Podcast waren!

00:41:39: Es war mir ein Zögnüben

00:41:41: Und das wars der RHI Podcast aus dem Roman Herzog Institut mit Rovalto Simanovsky.

00:41:47: Ich freue mich, dass er heute zu Gast war und kann ihn nur auch seine Fachsendung sozusagen mit Martin Lang die RHI Kontexte ans Herz legen.

00:41:57: Lassen Sie uns beiden gerne einen Kommentar anbar und schalten sie auch noch mal ein, wenn es dann beim nächsten Podcast weitergeht.

00:42:05: Vielen Dank, dass Sie heute dabei waren!

00:42:08: Nur wer die richtigen Fragen stellt findet am Ende auch die Antworten, die zu einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung Deutschlands beitragen.

00:42:18: Dr.

00:42:18: Martin Lang geht diesen Fragen in den RHI Kontexten auf den Grund.

00:42:23: Schauen Sie rein auf unserer Webseite unter romanherzoginstitut.de

00:42:29: oder auf

00:42:29: unserem YouTube-Kanal.

00:42:31: Tina Meyer Schneider trifft alle zwei Wochen die Menschen dahinter im Podcast des RomanHerzogInstituts

00:42:39: zu hören überall, wo es

00:42:40: Podcasts gibt.

00:42:42: Abonnieren sie uns!

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